Zverev zerquetscht fils in 82 minuten und schreibt masters-geschichte

Die Wüste schluckt den nächsten Anwärter. Arthur Fils kam als France’s Next Big Thing, doch Alexander Zverev schickte ihn mit 6:2, 6:3 und zwei gebrochenen Schlägern nach Hause. 82 Minuten reichten dem Deutschen, um als erster Spieler das Halbfinale von Indian Wells zu erreichen – und sich damit in einen noch exklusiveren Club einzukaufen.

Ein break, ein krach, ein klassenunterschied

Schon der erste Aufschlag von Fils landete im Netz. Der zweite im Out. Beim dritten Ballwechsel rutschte Franckreich’s Shooting-Star aus, beim vierten zertrümmerte er seinen Schläger. Der 20-Jährige hatte sich vorgenommen, Zverev „herauszufordern“, doch die einzige Herausforderung bestand darin, nicht komplett abzustürzen. Die Statistik nach dem ersten Satz: 14 unerzwungene Fehler, 46 Prozent erster Aufschlag, 0:4 nach 18 Minuten. Die Desert Crowd – sonst laut, jetzt leise – vertrieb sich die Zeit mit Wave-Gehabe.

Zverev selbst wirkte fast gelangweilt. Er servierte 208 km/h, spielte anschließend geduldig mit Slice und Topspin, bis Fils den Ball ins Aus donnerte. Das frühe Break beim Stand von 2:0 war ein psychologischer Knockout. „Wenn man hier vorne liegt, wird der Gegner nervös“, sagte er später beim On-Court-Interview. „Und die Wüste macht den Rest.“ Gemeint sind die trockenen Bedingungen, bei denen der Ball höher springt und die Beine schwerer werden.

Masters-allianz: nur vier spieler vor ihm

Masters-allianz: nur vier spieler vor ihm

Mit dem Viertel-Erfolg vollendet Zverev das Sammler-Album der ATP-Elite. Novak Djokovic, Rafael Nadal, Roger Federer, Andy Murray – mehr nicht. Er ist der fünfte Profi überhaupt, der in allen neun Masters-1000-Turnieren mindestens ein Halbfinale erreicht hat. Die Zahl, die dabei herauskommt: 9,4 Millionen Dollar Preisgeld in Indian Wells, 8,1 Millionen Euro – und ein Schläger, der in Trümmern liegt.

Doch die wirkliche Hausnummer folgt am Samstag. Entweder trifft er auf Jannik Sinner, der in 14 Tagen noch keinen Satz abgegeben hat, oder auf 20-jährige Learner Tien, der die Crowd bereits gegen Taylor Fritz auf seine Seite zog. „Sinner ist eine Maschine, Tien ein Energiebündel“, sagt Zverev. „Ich nehme, was kommt – Hauptsache, ich spiele nach 18 Uhr, wenn die Sonne endlich weg ist.“

Gegen Fils war Zverevs Taktik simpel: Return weit auf den Rückhand-Flügel, dann diagonal auf die Vorhand. Erfolgsquote: 68 Prozent der zweiten Aufschläge kehrte er zurück – und 42 Prozent davon gewann er direkt. Die Bilanz offenbart eine Wahrheit: Fils schaffte kein einziges Break, während Zverev vier von acht Chancen nutzte. Die Franzosen-Federer-Hoffnung? Vaporisiert in der Mojave.

Die nächste Runde wird härter, das weiß auch Zverev. Doch nach fünf Siegen in Serie, ohne Satzverlust, mit nur 19 unerzwungenen Fehlern in drei Matches, schickt er eine Botschaft Richtung Rom und Belgrad: Der 28-Jährige ist wieder da – und diesmal ohne Knöchelbandage. Die Masters-Historie wartet auf die nächste Fußnote.