Zverev rast in wüste ein und schickt tiafoe heim
Alexander Zverev hat in der kalifornischen Wüste den nächsten Schlag ausgeteilt. Mit 6:3, 6:4 schickte der Hamburger Frances Tiafoe in die Umkleide und steht erstmals seit drei Jahren wieder im Viertelfinale von Indian Wells. Die Uhr zeigte 20:22 Uhr Ortszeit, als der 28-Jährige beim ersten Matchball die Arme gen Himmel streckte – ein Urschrei, der die Anlage erbeben ließ.
Zverev findet die mischung aus feuer und kalkül
Was diesen Auftritt vom verpatzten Saisonstart in Melbourne trennte, war die Mischung: Feuer vorne, Kalkül hinten. Zverev attackierte Tiafoes Zweitaufschlag schon auf der T-Linie, schlug 14 Winner und schenkte nur zwei Breakchancen her – eine Bilanz, die ihn selbst überraschte. „Ich habe die Grundlinie dominiert, ohne zu riskieren“, sagte er später vor Sky-Kamera. Das Break zum 4:2 im ersten Satz holte sich der Olympiasieger mit einem diagonalen Passierball, den selbst alter Desert-Rats staunend zur Kenntnis nahmen.
Im zweiten Durchgang schlich sich kurz Unruhe ein: Doppelfehler, 15-40, zweiter Ball. Doch statt zu zögern, stürmte Zverev ans Netz, zwang Tiafoe zum Lob und schmetterte anschließend die Entscheidung. Das 4:3 war besiegelt, mit dem 6:4 folgte die Vorentscheidung. Nach 91 Minuten war Schluss, und der Sachse ließ sich von der Rangliste keine Fragen mehr stellen – vorbei die Zeiten, in denen er Turniere mit Schulterproblemen quälte.

Arthur fils wartet – ein duell mit offenem ende
Am Mittwoch steht Arthur Fils auf der anderen Seite des Netzes. Der 20-jährige Franzose fegte zuvor Felix Auger-Aliassime vom Platz und trägt das Label „Next-Gen-Berserker“ mit Stolz. Zverev kennt das Tempo: Beide trainierten vergangenes Jahr in Monte Carlo, und Fils schlug damals selbstbewusst auf. „Er hat Schläge, die du nicht siehst, bevor sie an dir vorbeisausen“, warnt der Weltranglisten-Vierte. Dennoch: Bei 2:0 im Head-to-Head liegt der Deutsche vorne, und die Wüste verzeiht keine Halbherzigkeit.
9,4 Millionen Dollar Preisgeld schwingen über dem Turnier, doch für Zverev zählt nur ein Gedanke: das erste Halbfinale in Indian Wells. Dreimal stand er schon kurz davor, dreimal schied er aus. Die Statistik nagt an ihm wie der Wüstenwind an den Palmen. „Ich muss mir selbst vertrauen, sonst vertraut mir keiner“, sagt er – und meint damit auch die eigene Frage, ob der Grand-Slam-Durchbruch noch kommt.
Die Antwort liefert er am Mittwochabend, wenn die Hitze nachlässt und die Bälle schneller fliegen. Ein Sieg gegen Fils würde nicht nur das Halbfinale öffnen, sondern auch die mentale Schranke, die Indian Wells für ihn bisher bedeutete. Die Wüste hat Zverev gehört – sie wird ihm antworten.
