Young überrascht: us-masters-anwärter mit pokerface und routine

Augusta, Georgia – Während die Welt die Augen auf Scottie Scheffler und Rory McIlroy richtet, schleicht sich Cameron Young still und sicher ins Rampenlicht des Masters. Der 27-jährige Amerikaner, dessen Name im Golfsport noch nicht so etabliert ist wie die seiner prominenten Konkurrenten, präsentierte sich am Samstag in Augusta in einer beeindruckenden Form und deutet an, dass er hier ernstzunehmende Ambitionen hat. Ein 65er-Runde, verbunden mit einer bemerkenswerten Ruhe und einem überraschenden Pokerface, lässt aufhorchen.

Der unaufgeregte aufstieg eines talentierten golfers

Der unaufgeregte aufstieg eines talentierten golfers

Youngs Weg an die Spitze war kein Sprint, sondern eine konstante, wenn auch manchmal frustrierende, Entwicklung. Fünf Masters-Teilnahmen, ein Wyndham Championship-Sieg – dieser markierte den Durchbruch – und vor allem eine ausgeprägte mentale Stärke sind die Bausteine seiner Karriere. Er weiß, wie man mit Rückschlägen umgeht, eine Fähigkeit, die im Hochleistungsport unerlässlich ist. "Es ist eine langsame Entwicklung gewesen", gestand Young in der Pressekonferenz, "das Schwierigste ist, Vertrauen aufzubauen, wenn die Dinge nicht laufen. Es geht darum, auch aus mittelmäßigen Ergebnissen und fast gewonnenen Turnieren Positives mitzunehmen."

Das Canadian Open, bei dem er das Turnier kurz vor dem Ende verlor, ist für ihn ein Mahnmal, aber eben auch eine Lektion. Ein Bogey am letzten Loch hätte ihn beinahe in die Tiefe gestürzt, doch er nutzte die Erfahrung, um sich zu verbessern. Er verarbeitete es als Lernprozess und nicht als Trauma. "Es gab Situationen, in denen ich aus Ergebnissen, die nicht ideal waren, Kraft schöpfen konnte", erklärte er.

Ein Kunstwerk mit dem Schläger Young präsentierte sich am Samstag als wahrer Künstler auf dem Golfplatz. 16 Greens traf er in Regulation, ein beeindruckender Wert, der nur durch einen kleinen Patzer am 15. Loch, wo er seinen Ball ins Wasser schlug, getrübt wurde. Ein Chip-In am vierten Loch sorgte für einen Moment der Begeisterung beim Publikum und schien seinen Schwung zu beflügeln. Mit der Ruhe eines erfahrenen Routiniers las er die Pläne des Augusta National perfekt und wusste, wann er attackieren und wann er defensiv spielen musste. "Wenn man gut spielt, ist es eine großartige Gelegenheit, es sich leicht zu machen. Es gibt keinen Grund, unnötige Risiken einzugehen."

Die Geschichte am Par 5 des 13. Lochs ist dabei exemplarisch: Sein Abschlag landete links im Gebüsch, doch ein glücklicher Bäumchenwechsel bewahrte ihn vor dem Worst-Case-Szenario und ermöglichte ihm einen Birdie. "Es war einfach Glück. Alles, was links von diesem Loch liegt, ist fast ein verlorener Ball. Dass es dann so günstig herauskam, hat den Schwung gehalten."

Auch die Vorbereitung auf dieses Turnier war optimal. Young profitierte von seiner starken Leistung bei The Players Championship, wo er Nervenstärke bewies. "Ich habe nach diesem Turnier gesagt, dass ich mich auf ein spätes Sonntagsspiel in Augusta vorbereiten wollte. Und jetzt stehe ich hier, mit einem ähnlichen Szenario vor mir."

Er weiß, dass er nicht der Favorit der Menge sein wird, aber er spürt die wachsende Unterstützung. "Rory ist der globale Favorit im Golfsport. Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreichen kann." Seine Strategie ist klar: "Ich werde versuchen, den gleichen Prozess und die gleiche Mentalität wie damals zu verfolgen. Es geht darum, präsent zu sein und zu wissen, dass jeder seinen eigenen Weg gehen wird." Und bevor er sich am Sonntag in Weiß hüllt, wird er die Messe besuchen. Eine Tradition, die er mit seiner Familie teilt – seiner Frau und seinen drei kleinen Kindern.

Youngs Erfolg ist ein Beweis dafür, dass mentale Stärke und eine ruhige Herangehensweise im Golfsport genauso wichtig sind wie Talent und Technik. Er hat sich eine Chance verdient, in Augusta Geschichte zu schreiben. Die Ergebnisse der Vergangenheit bedeuten nichts für das, was morgen passieren wird. Ich muss mir das morgen verdienen.