Xenia schwaller schreibt calgary-gold: debüt-quartett stürzt kanadas olympia-hoffnung

7:5 gegen Kerri Einarson – und die Schweiz jubelt im Stampede-Fieber von Calgary. Xenia Schwaller, 23 Jahre alt, Skip ohne Elite-WM-Vergangenheit, schickt den letzten Stein ins Haus, die rote Scheibe trudelt wie in Zeitlupe ans Button – 11. Weltmeister-Titel für die Schweiz, erster für dieses Quartett.

Vom juniorentitel zur krönung in 731 tagen

Die Zahlen sind schonungslos: 2024 holten Schwaller, Selina Gafner, Fabienne Rychiger und Selina Rieder den Junioren-Weltpokal. Nun, 731 Tage später, stehen sie auf der Erwachsenen-Bühne, wo sonst Routiniere mit zwei Olympia-Zykeln im Gepäck regieren. Die Kanadierinnen, vor eigenem Publikum als Titel-Favoritin gelaufen, kassieren die erste Final-Niederlage seit 2018. Für Einarson ein Déjà-vu-Desaster: erneut verliert sie eine Endspiel-Partie gegen ein Team, das in der Weltrangliste nur Sechstes ist.

Die Partie selbst war ein Lehrbuch der Nervenkunde. Bereits im zweiten End klaut das Schwaller-Quartett zwei Punkte, Kanada gleicht zwar aus, doch die Schweiz antwortet unmittelbar vor der Pause mit einem weiteren Zwei-Punkte-Haus. Als Einarson im siebten End einen Steal landet, glauben 15.000 Zuschauer in der Scotiabank Saddledome an die Wende. Dann kommt der achte End – zwei weitere Punkte für die Eidgenossinnen, die Führung wechselt erneut. Das zehnte End entlarvt die jüngste Formation als Eis-Kalte: Schwaller spielt den Freeze, Einarson verfehlt das Double-Take-out, und das 6:5 wird zur 7:5-Endstation.

Grasshopper club schreibt club-geschichte

Grasshopper club schreibt club-geschichte

Der Grasshopper Club Zürich feiert damit das grösste Erfolgs-Kapitel seiner Curling-Abteilung. Kein anderer Schweizer Verein hatte binnen drei Monaten Landesmeister und Weltmeister gestellt. Der Verband reagiert sofort: 11 Frauen-WM-Titel – mehr hat keine Nation, seit die World Curling Federation 1979 die Serie aus der Taufe hob.

Was niemand auf dem Schirm hatte: Die Schweiz verzichtete auf Altstar Silvana Tirinzoni, setzte auf Nachwuchs – und kassiert den Jackpot. Das Budget des Teams: umgerechnet 78.000 Euro, finanziert aus Sponsorings und Spenden, ein Zehntel dessen, was Einarsons Team jährlich kassiert. Die Leistung wird noch eindrücklicher, wenn man bedenkt, dass Kanada 47 Turniere pro Saison bestreitet, die Schweizerinnen gerade einmal zwölf.

Die Statistik hinter dem Triumph: Nach der Auftaktpleite gegen Japan folgten elf Siege in Serie, 83 Prozent Take-out-Quote im Final, keine einzige verlorene Last-Stone-Draw-Challenge. Mentalcoach Rolf Stocker spricht von „einer Selbstverständlichkeit, die an Zen-Grenzen stößt“. Für die Schweiz ist klar: Die Olympiakarten für Milano-Cortina 2026 sind noch längst nicht verteilt – aber eines ist sicher, Schwaller & Co. haben sich in die engere Auswahl gespielt.