Würzburger kickers feuern reitmaier – schiele soll retter sein

Montagmittag, 13:07 Uhr: Die Würzburger Kickers trennen sich von Marc Reitmaier. Keine 30 Minuten später steht Michael Schiele schon wieder am Dallenberg. So schnell kann Fußball sein, wenn der Abstand zur 3. Liga größer wird als die Geduld.

Die leistung nach der winterpause war zu dünn

Seit dem Restart holte das Team fünf Punkte aus fünf Spielen. Das reicht nicht für die Relegation, schon gar nicht für eine Regionalliga Bayern, in der Aufstiegsplätze an Grün-Weiß vorbeilaufen. „Wir wollen noch einmal alles daransetzen“, heißt es im Statement – ein Satz, der nur funktioniert, wenn jemand anders das Team übernimmt.

Reitmaier war 17 Monate im Amt, stets mit dem Etikett „Identifikationsfigur“. Doch Identifikation zählt nicht in der Tabelle, sondern Punkte. Und die fehlten zuletzt gegen Aufsteiger wie Türkgücü und FC Memmingen. Die Vereinsspitze um André Herber und Sebastian Neumann spricht von „neuen Impulsen“. Gemeint ist: Wir brauchen jemanden, der diese Impuls schon mal gesetzt hat.

Schiele kennt jeden fleck am dallenberg

Schiele kennt jeden fleck am dallenberg

Der 48-Jährige trainierte die Kickers von 2017 bis 2019, führte sie mit 107 Pflichtspielen in die 2. Liga. Danach stoppte er den Absturz von Eintracht Braunschweig, wurde dort im Juni 2023 freigestellt. Jetzt kehrt er zurück – nicht als Reizfigur, sondern als Notnagel.

Seine Aufgabe: In neun Spielen mindestens drei Rivalen auf Distanz halten. Erstes Testobjekt ist am Freitag Viktoria Aschaffenburg, ein Kellerkind mit Biss. Schiele übernimmt ein Team, das noch nie in dieser Saison so tief stand. Die Co-Trainer bleiben, das Personal auch. Damit vermeidet der Klub den zweiten Umbruch innerhalb einer Woche.

Die Fans reagierten auf Social Media gemischt. Die einen erinnern sich an den Aufstieg 2019, die anderen fragen: Reicht Erfahrung, wenn die Beine müde sind? Die Antwort bekommt Schiele schon am Freitag, wenn Aschaffenburg anreist. Dann wird klar, ob die Rückkehr des Retters mehr ist als ein guter PR-Coup kurz vor dem Saisonendspurt.

Punktgleich mit dem Relegationsrang, aber nur Dritter wegen der schlechteren Tordifferenz – so eng ist die Regionalliga Bayern. Ein Sieg reicht, um die Stimmung zu drehen. Eine Niederlage könnte den Anschluss endgültig kappen. Schiele hat neun Spiele Zeit, um aus Zahlen wieder Emotionen zu machen. Die Uhr tickt laut am Dallenberg.