Wück schickt geschundene dfb-frauen gegen slowenien in wm-pflicht
Ohne Klara Bühl, ohne Selina Cerci, ohne Sophia Kleinherne – aber mit einem Forderungskatalog, der klingt, als wolle Christian Wück sein Team durch Schmerz zu neuem Selbstbewusstsein zwingen. „Wir müssen die Überzeugung reinbekommen, dass wir mit unserer Spielart bestehen können – egal gegen wen, egal wo, egal wann“, sagt er am Vorabend der WM-Qualifikation gegen Slowenien. Die Botschaft: Keine Ausreden, kein Systemwechsel, kein Rückzieher. Drei Offensivkräfte fehlen, doch die Philosophie bleibt.
Der plan ist sturheit
Der Bundestrainer spricht von „nächsten Schritten“, meint damit aber keinen Sprint, sondern einen Marathon. Nach dem EM-Halbfinale und dem Nations-League-Vize will er, dass seine Frauen endlich die Lücken vor dem Tor zuklappen. Die Antwort auf die Verletztenmisere: Larissa Mühlhaus rückt nach, nicht aber das System. 4-3-3, hohes Pressing, Ballbesitz – das war gestern, das ist heute, das wird morgen. „Unsere Identität auf den Platz bringen“, lautet das Mantra. Der Rest ist Details.
In den vergangenen Tagen wurde auf dem Trainingsplatz in Dresden vor allem geschossen. „Wir haben Torschüsse trainiert, das war sonst nicht immer der Fall“, sagt Sjoeke Nüsken mit einem Grinsen, das zwischen Selbstironie und Ankündigung schwankt. Die Chelsea-Akteurin weiß: Die letzten beiden Endspiele gegen Spanien haben gezeigt, dass dieses Team mit Europas Spitze mithalten kann. Doch wer gegen Slowenien nicht nachlegt, darf sich nicht wundern, wenn Norwegen am Samstag anklopft und die Gruppe plötzlich eng wird.

Die qualifikation beginnt mit einem befreiungsschlag
17.45 Uhr, Stadion Dresden, erste von neun Partien auf dem Weg nach Brasilien 2027. Die Gegner heißen Slowenien, Norwegen, Österreich – klingt machbar, ist es aber nur, wenn der Ball irgendwann auch ins Netz kullert. Die Statistik ist gnadenhaft: Deutschland traf in den letzten fünf Länderspielen nur viermal aus dem Spiel heraus. Bei aller Defensivstabilität: Tore gewinnen Spiele, nicht Ballbesitz-Quoten.
Wück weiß das. Er redet nicht von Titeln, er redet von Prozessen. „Wir wollen unsere fußballerischen Qualitäten auf den Platz bringen“, sagt er, und man spürt, dass er damit nicht schmückende Pässe meint, sondern kalte Effizienz. Die Mannschaft hat den Aufwärtstrend gespürt, aber Trends sind Zitterpartien, wenn sie nicht in Tore münden. Deshalb muss heute schon der Befreiungsschlag sitzen – sonst wird das Brasilien-Ticket zur Zitterreise.
Die Favoritenrolle ist Pflicht, die Verletztenliste ist Realität. Dazwischen steht eine Mannschaft, die beweisen will, dass sie nicht nur schön kombiniert, sondern auch gewinnt. 90 Minuten gegen Slowenien, dann wissen wir mehr. Oder, wie Wück es formulieren würde: „Die Überzeugung muss ins Tor, nicht nur ins Spiel.“
