Wolfsburgs meister-märchen: wie magath und misimovic die bayern demontierten
5:1 gegen Bayern – danach war die Liga in Schockstarre, Wolfsburg in Ekstase. Doch die eigentliche Sensation kam danach: Felix Magath ließ seine Heldentruppe über eine Stunde auslaufen, statt zu feiern. Der Grund? Der Meister-Trainer wollte den Kopf der Mannschaft kühlen, nicht den Korken knallen lassen.
Von platz neun zur schale: die magath-formel
Die Hinrunde 2008/09 war ein Trauerspiel: kein einziges Auswärtsspiel gewonnen, Tabellenplatz neun. Magath hatte gerade zwölf Lizenzspieler geerbt, musste fast neu aufbauen. Dann kam die Kehrtwende. Zvjezdan Misimovic erinnert sich: „Wir haben zwar gefeiert, aber Magath hat uns am nächsten Tag richtig laufen lassen. Kleines Spiel auf vier Tore? Vergiss es. Vollgas, 90 Minuten.“
Der Befehlston des Trainers war simples Kalkül. Er wollte keine Selbstzufriedenheit, sondern Schärfe für die entscheidenden Wochen. Der Effekt: Die Wölfe sammelten in der Rückrunde Punkte im Akkord, überholten Bayern und Leverkusen – und holten am Ende die Salatschale.

Misimovic über die nacht, die keiner vergessen kann
Nach dem Triumph in der Allianz Arena schwappte die Gewissheit durch den Verein: Jetzt ist nichts mehr unmöglich. Doch Magath blieb Eisern. Misimovic lacht heute: „Wir dachten, wir bekommen eine kleine Belohnung. Stattdessen gab’s Sprintstaffeln bis zum Umfallen. Seine Methode: Kopf zuerst klar, dann Knie durchhalten.“
Die Folge war eine Serie von neun Siegen in elf Spielen, Tore im Dutzend-Modus. Grafite und Misimovic lieferten sich ein Schützenfest, die Abwehr kassierte nur noch halb so viele Gegentore wie in der Hinrunde. Die Liga schaute verblüfft zu – und am 23. Mai 2009 stand der Klub aus der Autostadt ganz oben.
Heute, 15 Jahre später, klingt das wie ein Märchen. Aber hinter dem Märchen steckt eine harte Wahrheit: Magaths Drill, Misimovics Klasse und die gnadenlosen Leistungssprints. Wer fragt, wie man eine Saison dreht, bekommt eine klare Antwort: mit Disziplin, die wehtut – und mit einem 5:1, das die Bayern bis heute nervös macht.
