Wölfinnen jagen lyon: 90 minuten bis zum traumauswärtssieg

21 Uhr in Décines, 1:0 im Gepäck, neuntes Halbfinale in Reichweite – für den VfL Wolfsburg beginnt in Lyon die Nacht der Wahrheit. Die Champions-League-Siegerinnen von 2013 und 2014 wissen: Ein Tor reicht nicht, ein Tor führt in die Verlängerung, zwei Tore schubsen die Französinnen vor. Die Wölfinnen reisen an, um anzugreifen.

Die feinheiten des rückspiels

Tommy Stroot hat die Woche genutzt, um die Defensive neu zu justieren. Lena Lattwein rückt vor die Viererkette, Svenja Huth übernimmt die Führung auf dem Flügel. Die Botschaft ist klar: Balleroberung sofort in Tempo umwandeln. OL Lyonnes setzt auf Amel Majri, die nach ihrer Adduktorenblessur wieder voll belastbar ist. Ihre Hereingaben landen 86 % exakt auf der Sturmstirn – eine Hausnummer, die Wolfsburgs Außenverteidigung kennt.

Die Statistik lacht nicht mit den Deutschen: In den letzten fünf Duellen gegen Lyon gab es drei Niederlagen, ein Remis, einen Sieg. Doch die Zahlen von heute Abend sind frisch. Alexandra Popp hat in dieser Saison bereits sieben Kopfballtore erzielt, davon zwei nach Ecken. Wendie Renard steht mit 1,87 Meter davor, doch Popp springt einen Zentimeter höher und startet schneller. Das könnte die kleine Differenz sein.

Im Tor steht Merle Frohms, kurz vor der Vertragsverlängerung. Ihre Parierquote gegen Schüsse aus dem Zentrum liegt bei 78 % – Spitzenwert im Kader. Gegen sie wartet Catarina Macario, die US-Amerikanerin mit dem Brasilianer-Funkeln. Macario traf in acht von zehf Heimspielen. Zwischen ihr und Frohms entscheidet sich möglicherweise schon in der 13. Minute, wenn die erste Großchance fällt.

Der plan lautet: frühes tor, dann kontrolle

Der plan lautet: frühes tor, dann kontrolle

Stroot hat mit seiner Mannschaft die Situation besprochen: Erstes Ziel ist es, die Null zu halten bis zur 30. Minute. Danach soll das Mittelfeld enger werden, Lattwein und Jill Roord die Räume zustellen. Die Französinnen werden ihre berüchtigte 4-3-3-Pressing-Formation auffahren, doch der VfL hat sich auf kurze, vertikale Pässe eingeschossen. Pro Spiel trainiert man 25 Balleroberungen im Mittelfeld – gegen Bayern gelangen 22, gegen Chelsea 24.

Die Auswärtstribüne im Groupama Stadium ist heute Abend ein einziges Wolfsburg-Rot. 1.800 Fans sind mit Bussen und Flugzeugen angereist, sie werden lauter als die 25.000 Franzosinnen. Das hat Methode: In der Königsklasse beträgt die Auswärtsfaktor-Quote für Teams mit großer Fan-Anhangschaft 1,3 Siege pro Saison – ein kleiner, aber entscheidender Vorteil.

Um 22.45 Uhr wissen wir mehr. Entweder jubelt Wolfsburg das neunte Halbfinale, oder Lyon feiert die nächste Heimmacht. Die Wölfinnen haben 90 Minuten, um Geschichte zu schreiben – und sie sind bereit, jeden Meter dafür zu laufen. Das Ergebnis? Es steht 0:0, und die Uhr tickt bereits.