Wm-quartiere: von malente bis campo bahia – die besten und schlechtesten bleiben der fußballgeschichte
Noch bevor die deutsche Nationalmannschaft ihr neues Domizil in Winston-Salem bezogen hat, brodeln die Diskussionen. Ist es zu abgelegen? Zu unspektakulär? Einige Beobachter zeigen sich wenig begeistert. Sport1 blickt zurück auf die Quartiere vergangener Weltmeisterschaften – und erinnert sich an die Höhen und Tiefen, die mit der Wahl des Aufenthaltsortes verbunden waren.
Ein zuhause prägt den erfolg
Julian Nagelsmann und sein Team hoffen nun auf eine gute Wahl in North Carolina. Doch eines ist klar: Das Quartier hat schon immer einen großen Einfluss auf den Erfolg einer Mannschaft. Während einige Orte zu legendären Stätten deutscher Fußballgeschichte wurden, gab es auch Pannen – und ehemalige WM-Fahrer berichten von ihren Erlebnissen.
Sepp Maier, der WM-Held von 1974, erinnert sich noch lebhaft an Malente: „Legendär ist da noch untertrieben! Malente war wie ein Klassentreffen mit Fußballschuhen. Da war Leben drin, da war Gaudi!“ Er schildert, wie die Spieler abends um Dienste spielten, nicht um Geld. „Einer hat so gezittert beim Mischen, da habe ich gesagt: ‚Sag mal, spielst du hier Karten oder operierst du am offenen Herzen?‘“
Im Gegensatz dazu klingt Rainer Bonhofs Beschreibung des WM-Quartiers 1978 in Ascochinga eher nüchtern: „Der Ort heißt auf Deutsch übersetzt ‚Toter Hund‘.“ Auch wenn die Freizeitangebote begrenzt waren, so betonte Bonhof doch, dass das Abschneiden der Mannschaft nicht allein auf das Quartier zurückzuführen war.

Mehr als nur ein hotel
Uli Stielike betonte 1982 in Gijón die Bedeutung der Wahl des Trainers: „Jupp Derwall war ein gutmütiger Mensch, der sich und die Mannschaft nicht völlig abschotten wollte.“ Diese Offenheit hatte jedoch auch ihre Schattenseiten. Dieter Hoeneß erinnerte sich an das Quartier 1986 in Galindo: „Man ist zweimal quer über den Platz gelaufen und aufgrund der Höhe war man sofort platt.“
Stefan Reuter, der 1990 am Comer See weilte, betonte, wie wichtig es sei, eine Balance zwischen harter Arbeit und Entspannung zu finden. „Wenn man sieben Wochen zusammen ist und man sich jeden Tag nur unter Druck fühlt, ist das nicht gut.“

Von golfplätzen bis zur „players lounge“
Thomas Strunz berichtete 1994 von einem Hotel inmitten eines Golfresorts in Chicago, wo auch Journalisten untergebracht waren – ein Umstand, der zu ungewollter Aufmerksamkeit führte. Markus Babbel erinnerte sich 1998 an das traumhafte Zulal Wellness Resort nahe Nizza: „Es war ganz großes Kino!“
Torsten Frings fand das Quartier 2002 in Miyazaki „nicht gut“, während Sebastian Kehl 2006 die familiäre Atmosphäre im Grunewald lobte. Kevin Trapp schätzte 2022 die Ausstattung des Zulal Wellness Resorts und betonte, dass es optimal zur Vorbereitung beigetragen habe.
Die Wahl des Quartiers ist also mehr als nur die Auswahl eines Hotels – sie ist ein Spiegelbild der Philosophie und der Persönlichkeiten der Verantwortlichen und kann maßgeblich den Erfolg einer Mannschaft beeinflussen. Ob Julian Nagelsmann mit seiner Wahl den Nerv der Mannschaft trifft, wird die WM zeigen.
