Wm 2026: 'teherángeles' spaltet – fußball wird zur politischen bühne
In den Straßen von 'Teherángeles', dem iranischen Viertel von Los Angeles, herrscht eine tiefe Kluft. Während die Welt sich auf die WM 2026 vorbereitet, in der die iranische Nationalmannschaft ihr Debüt auf amerikanischem Boden gegen Neuseeland im SoFi Stadium geben wird, kämpfen die Bewohner mit einer politischen Realität, die den Sport überschattet.
Ein viertel zwischen hoffnung und zorn
Offiziell anerkannt im Jahr 2010, ist 'Teherángeles' rund um den Persian Square das Zentrum einer der größten iranischen Diasporagemeinschaften außerhalb des Iran – schätzungsweise 700.000 Menschen im Süden Kaliforniens. Doch die bevorstehende WM hat die ohnehin schon angespannte politische Lage verschärft. Die Tatsache, dass ein Gastgeberland wie die USA technisch gesehen in einem Konflikt mit einem seiner Teilnehmer steht und diesem die Möglichkeit zum Training verwehrt hat, ist beispiellos und trägt zur emotionalen Aufladung bei.
Mahmud, der Besitzer einer Obstbude in Westwood Boulevard, fungiert als inoffizieller Vermittler in der Gemeinde. Er räumt ein, dass für viele das Turnier weit mehr als nur ein sportliches Ereignis ist. „Unsere Spieler sind die Tausenden, die vor zwei Monaten von dem Regime ermordet wurden, nicht die, die hierherkommen, um Fußball zu spielen“, erklärt er.

Die flagge des widerstands
In Sam's Bookstore, einem ungewöhnlichen Ladenlokal mit zahlreichen Aufklebern in der Schaufensterfront – „Keine Ayatollahs mehr im Iran, Regimewechsel“ – ist die politische Haltung unmissverständlich. Die Flagge des Löwen und der Sonne, das Symbol des Iran vor der Revolution von 1979, weht stolz. „Fragen Sie jeden hier, sie werden Ihnen sagen, dass dieses Team nicht unseres ist“, betont Sam mit Nachdruck. Für ihn sind die Fußballspieler lediglich „dumme Typen“, die das Regime legitimieren, das ihre Familien unterdrückt. Die Straßenproteste, die vor Monaten niedergeschlagen wurden, haben die Erinnerung an den Verlust und den Widerstand tief in der Gemeinschaft verankert.
Roozbeh Farahanipour, ein Unternehmer und Aktivist, der einst eine Todesstrafe für seine Beteiligung an Studentenprotesten erhielt, ist eine zentrale Figur in 'Teherángeles'. Er ist überzeugt, dass die WM für viele ein Schaufenster für den politischen Protest sein wird. „Ich werde nie das Team der Islamischen Republik unterstützen. Ich kam als politischer Asylant und unterstütze das Team der Opposition. Ich mag die Spieler persönlich, aber solange sie das Trikot mit der Flagge des Regimes tragen, sind sie ein Propagandainstrument“, erklärt er. Er kündigt an, dass er, falls er die Spiele im Restaurant überträgt, das gegnerische Team anfeuern werde.

Die fifa greift ein – und verschärft die lage
Die zunehmende Politisierung hat die FIFA dazu veranlasst, die Verwendung der Flagge des Löwen und der Sonne in den Stadien zu verbieten. Roozbeh kritisiert diese Entscheidung scharf: „Es ist absurd und widerspricht der Meinungsfreiheit, die in der Verfassung der Vereinigten Staaten verankert ist. Man darf die LGTBI-Flagge zeigen, Trump-Symbole, sogar McDonald's-Werbung, aber nicht unsere Flagge? Das ist doch lächerlich!“
Die Spaltung innerhalb der iranischen Gemeinschaft in Los Angeles ist offensichtlich. Während einige einfach nur das Spiel genießen wollen, nutzen andere die WM-Bühne, um auf die Menschenrechtslage im Iran aufmerksam zu machen. 'Teherángeles' wird somit zum Spiegelbild eines komplexen Konflikts, in dem Fußball und Politik untrennbar miteinander verbunden sind.
Die WM 2026 in Los Angeles wird nicht nur sportliche Höhepunkte liefern, sondern auch die tiefe politische Kluft innerhalb der iranischen Diaspora und die schwierige Balance zwischen sportlicher Leidenschaft und politischem Engagement verdeutlichen. Es ist ein Kampf um Identität, um Würde und um die Zukunft des Iran – gespielt auf den Rängen und in den Herzen der Menschen in 'Teherángeles'.
