Schottens torwart-dilemma: ein risiko mit erfahrung?

Die Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar hat für das schottische Nationalteam eine unerwartete Wendung genommen: Die Torwart-Situation gleicht einem wahren Rätsel für Teamchef Steve Clarke. Nach 28 Jahren Abwesenheit von einem WM-Turnier steht nun ein Kader bereit, der in der Defensive Fragen aufwirft, insbesondere im Kasten.

Drei torhüter, kaum spielzeit: ein ungewöhnliches szenario

Drei torhüter, kaum spielzeit: ein ungewöhnliches szenario

Die Statistik ist alarmierend: Craig Gordon (Hearts), Angus Gunn (Norwich) und Liam Kelly (Rangers) haben in der laufenden Saison zusammen lediglich 540 Minuten auf dem Platz verbracht – das entspricht etwa sechs kompletten Spielen. Gordon bringt es auf 225 Minuten, Gunn auf 45 und Kelly auf weitere 225. Ein solch geringes Maß an Wettkampfpraxis ist für einen internationalen Wettbewerb wie die WM alles andere als ideal.

Besonders der Fall von Craig Gordon wirft Fragen auf. Mit 43 Jahren und 162 Tagen ist er der älteste Spieler im WM-Kader aller teilnehmenden Nationen. Zwar wird er den Rekord des ägyptischen Torwarts Essam El Hadary (45 Jahre und 161 Tage) nicht brechen können, doch seine bloße Teilnahme am Turnier ist bereits bemerkenswert – und das aus gutem Grund.

Ein medizinischer Horror und der Wille zum Comeback

Gordon kehrte erst kürzlich von einer schweren Verletzung am Hals zurück. Ein Arzt warnte ihn sogar vor potenziellen Lähmungserscheinungen oder gar dem Tod, sollte er die Behandlung fortsetzen. Gordon, der Vater von zwei Kindern, entschied sich jedoch, das Risiko einzugehen, um seinen Kindern ein Vorbild zu sein und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihn in Aktion zu erleben. Eine Geschichte voller Entschlossenheit und Mut, die weit über den Fußball hinausgeht.

Seine Karriere war geprägt von einer Reihe von Verletzungen – von Fuß- und Sprunggelenksverletzungen über Nacken- und Schulterprobleme bis hin zu Arm- und Beinbrüchen. Eine Rothehlenschwellung zwang ihn sogar zu einer zweijährigen Pause zwischen 2012 und 2014. Doch er gab nie auf und kämpfte sich immer wieder zurück. „Es gab Momente, in denen ich über einen Rücktritt nachgedacht habe“, gestand er.

Clarke steht nun vor der schwierigen Aufgabe, zwischen Gordon und Gunn zu entscheiden, wer das Tor in den ersten Spielen hüten wird. „Es ist immer schwierig, wenn man Torhüter hat, die nicht regelmäßig spielen“, räumte er ein. „Aber solange sie im Training alles geben, bin ich zuversichtlich, dass sie bereit sind.“

Alan Hutton, ehemaliger Nationalspieler, scherzt, dass die Entscheidung möglicherweise durch das Werfen einer Münze getroffen werden müsse. Dennoch spricht er sich für Gordon aus: „Seine Erfahrung und seine Leistungen in der Vergangenheit sprechen für ihn.“

Für Craig Gordon gibt es keine unlösbaren Probleme. Er hat bewiesen, dass er auch nach schweren Rückschlägen zurückkehren und seine Klasse beweisen kann. Ob er nun in Katar für Schottland glänzen wird, bleibt abzuwarten. Doch eines ist sicher: Seine Geschichte ist ein Beweis für die unglaubliche Widerstandsfähigkeit des menschlichen Geistes.