Witzig schreibt sich in wm-kader hinein – drei tore in fünf spielen

Christian Witzig jagt den Ball – und vielleicht bald auch die WM-Mär vom Matterhorn. Nach einer Nullrunde bis Oktober hat der 25-jährige Flügelflitzer des FC St.Gallen in den letzten fünf Super-League-Partien drei Mal eingenetzt und vier Vorlagen gesetzt. Die Quote: ein direkter Treffer alle 90 Minuten. Das reicht, um Murat Yakins Notizblock zu füllen.

Die Saison begann für Witzig mit Muskelproblemen und Bankdrücker-Perspektive. Drei Ligaspiele ohne Scorerpunkt, kein einziger Torschuss, der den Tormann hätte schwitzen lassen. Die Stimmen im Cyberval wurden laut, er selbst „hatte die Faxen dicke“, wie er nach dem 1:1 gegen Lugano einräumte. Dann drehte er an der Leistungsschraube – und am Spielrhythmus. Seitdem jagt er Gegner wie ein Boxer in der letzten Runde.

Tempo als waffe: so entzaubert er abwehrketten

Trainer Peter Zeidler ließ ihn links starten, statt rechts. Die Änderung wirkt wie ein Turbo. Mit seinem ersten Kontakt nimmt Witzig den Ball mit, im zweiten setzt er den Sprint. Gegen Lugano jagte er 34 Kilometer pro Stunden, nur Innenverteidiger Hajrizi bekam ihn mit Foulbremse gestoppt. Die Szene endete mit Freistoß, Ecke, 1:1-Ausgleich – alles aus seiner Hüfte.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: In den letzten 450 Minuten hat Witzig 15 Ballkontakte im gegnerischen Strafraum, fünf Torschüsse, drei Tore. Seine erwarteten Tore (xG) lagen bei 1,4 – er übertraf sie um 115 Prozent. Das ist keine Glückssträhne, sondern kalte Effizienz.

Wm-ticket? die konkurrenz schläft nicht

Wm-ticket? die konkurrenz schläft nicht

Mit Breel Embolo, Ruben Vargas und Xherdan Shaqiri blockieren drei Routiniers die Offensivplätze. Doch Yakins System lebt von Breite und Wechsel. Witzig passt hinein wie der Schweizer Schieber ins Zytglogge-Werk. Er kann aufrücken, er kann kreuzen, er kann verteidigen. Und er ist bereit, auf der Tribüne zu sitzen, wenn nötig. „Ich will einfach das zeigen, was ich früher gemacht habe“, sagt er und meint damit die U21-Zeit, als er noch Torschützenkönig war.

Die letzte Länderspiel-Pause nutzte er für Einheiten mit Fitnesscoach Raphael Vogel. Sprintwerte: plus acht Prozent. Herzfrequenz: minus fünf Schläge bei gleicher Belastung. Die Daten fließen direkt ins Nati-Labor. Wenn Yakin in Katar auf Rotation setzt, könnte Witzig der Joker sein, der in der 70. Minute die Bahn entlangfliegt und die Gegner in den Sand setzt.

Am Samstag geht es gegen Basel. Drei Tage später gegen Luzern. Witzig muss liefern – und er weiß es. „Wenn ich jetzt nachlasse, ist die Geschichte vorbei.“ Die WM rückt näher, die Uhr tickt. Und Christian Witzig hat endlich wieder den Ball an der Sohle.