Flick bremst barça-rausch: atlético wartet, die wahrheit auch
Sieben Tore, ein Gedicht, ein Schock – und dann kommt Hansi Flick und dreht an der Lautstärke herunter. Nach dem 7:2 gegen Newcastle schwärmt ganz Barcelona vom ersten Henkelpott seit 2015, doch der Coach spricht vom „nächsten K.o.“. Atlético Madrid, sein Viertelfinal-Gegner, sei „eine andere Hausnummer“. Die Warnung klingt wie ein Nackenschlag in der Nacht.
Flick sieht lücken trotz offensiv-feuerwerk
Die Zahlen lügen nicht: 22 Schüsse, 14 Torschüsse, 65 Prozent Ballbesitz. Doch Flick nagelt seine Spieler auf die Defensivlecks der ersten Halbzeit. „Wir haben drei Gegentore kassiert, weil wir den Ball verloren haben und nicht umgeschaltet sind“, sagt er. Es klingt, als hätte er das Spiel zweimal gesehen – einmal als Fan, einmal als Lehrfilm. Die Lehre: Balleroberung ist kein Selbstläufer, sondern ein Prozess. Und der ist gegen Atlético höchstens zur Hälfte erledigt.
Der ehemalige Bayern-Coach kennt die Cholismo-Methode. Diego Simeone wird keine Sekunde schwärmen, sondern Lücken suchen. Die Rojiblancos haben in dieser Saison in der Champions League erst neun Gegentore kassiert – nur Arsenal weniger. Flicks Satz: „Wir müssen Schritt für Schritt gehen“ ist deshalb keine Standard-Floskel, sondern ein Spiegel. Er weiß: Wer gegen Atlético offensiv trunken wird, erwacht mit Kater.

Termine und temperaturen stehen fest
Erstes Duell: 7. April im Wanda Metropolitano, Rückspiel sieben Tage später im Camp Nou. Zwischen den Partien liegt ein Clásico gegen Real Madrid – das Programm frisst Energie. Flick rotiert bereits mit Blick auf den Kalender. Gegen Newcastle durfte Pedri nur 60 Minuten spielen, Gavi bekam eine Verschnaufpause. Die Belastungskurve steigt, die Knie der medizinischen Abteilung auch.
Die Fans träumen von Wembley, doch Flick erinnert an die vergangene Saison: Halbfinale gegen Inter, 3:3, 3:4 n.V. – das Trauma ist keine Geschichte, es ist ein Brandmal. „Wir haben gelernt, dass ein gutes Spiel nicht reicht“, sagt er. Die Botschaft ist klar: Erst Atlético, dann darf wieder getanzt werden. Oder besser: vielleicht.
Die Wahrheit sieht so aus: Barça hat jetzt zwei Wochen, um aus der Gala eine Granate zu machen. Die Stadt atmet noch, der Coach atmet durch. Wer gegen Simeone nur an Tore denkt, verliert am Ende oft den Glauben. Flick will den Glauben behalten – und den Gegner auf dem Rasen, nicht in den Köpfen.
