Wirtz rettet nagelsmanns experiment – aber die abwehr liefert ein horror-szenario

Florian Wirtz schlug zweimal ein, legte zwei weitere Treffer auf – und trotzdem nagelte die Schweiz die deutsche Mannschaft an die Wand: 4:3 hieß es am Ende, doch die Zahl, die in Basel wirklich zählt, ist die 18. So viele Jahre hat die DFB-Elf auf einen Sieg gegen die Eidgenossen gewartet. Die Bilanz wirkt wie ein Scherz, ist aber bitterer Fakt.

Die schweizer schlichen sich nicht ein – sie marschierten durch

17. Minute: Ndoye trifft. 41. Minute: Embolo trifft. Dazwischen liegt nur der 1:1-Ausgleich durch Tah, der sein erstes Länderspieltor erzielt – dank eines Wirtz-Passes, versteht sich. Doch die Defensiv-Arbeit gleicht einem offenen Drahtseilakt ohne Netz. Schlotterbeck spielt zwei Fehlpässe, die direkt zu Gegentoren führen. Baumann, gerade zum WM-Keeper erklärt, wirkt wie ein Gast auf verlorenem Posten. Die Lattenschüsse der Schweizer hätten das Spiel vor der Pause beinahe schon zur Farce werden lassen.

Wirtz aber spielt ein anderes Spiel. 62. Minute: halber Hüfte, volle Ladung, Kobel ist machtlos. 86. Minute: Schlenzer aus 18 Metern, rechtes Ober-Eck, keine Chance. Dazwischen ein Assist, der Gnabry in Perfektion auflädt. Die neue blaue WM-Ausstattung trägt plötzlich das Gesicht des 22-Jährigen – und nicht das der verunsicherten Abwehr.

Nagelsmanns system wackelt, der terminkalender nicht

Nagelsmanns system wackelt, der terminkalender nicht

Montag, Stuttgart, Ghana – das nächste Stress-Test. Nagelsmann hat vier Spiele, um aus einer Rumpeltruppe eine Turnier-Mannschaft zu zimmern. Die Rollen sind verteilt, aber noch keiner spielt sie sauber. Sané wirkt abgemeldet, Havertz kommt vom 16-monatigen Verletzungsmarathon und vergibt drei Hochkaräter. Karl, 18, Bayern-Juwel, darf kurz die Luft anhalten – sein Debüt ist der einzige Lichtblick neben Wirtz.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Drei Gegentore in einem Freundschaftsspiel, das als Lehrstunde gedacht war, endet als Warnschuss. Die WM 2026 rückt näher, aber die deutsche Defensive rückt nicht zusammen. Wer so verteidigt, träumt nicht vom Titel – er träumt vom nächsten Gegentor.

Am Ende steht ein Sieg, der wie eine Niederlage schmeckt. Wirtz liefert das Kunstprodukt, die Mannschaft liefert die Beweise, dass noch jede Menge Schweiß fließen muss. Die Fans jubeln dem Helden zu, doch der Held weiß: Ohne Defensive kein Finale. Und ohne echte Wand kein echter Sieg.