Winter-paralympics 2026: 665 athleten kämpfen in mailand um gold

Vom 6. bis 15. März verwandeln sich Mailand und Cortina d'Ampezzo in die Bühne der 14. Winter-Paralympics – und ich sage Ihnen: Diese Spiele werden niemanden kalt lassen. 665 Athletinnen und Athleten aus aller Welt, darunter 40 aus Deutschland, liefern sich in sechs Sportarten einen Kampf um 79 Goldmedaillen. Die Eröffnungsfeier steigt am Freitag in Verona. Der Countdown läuft.

Ski alpin: tempo bis 120 km/h – und das ist erst der anfang

Wer glaubt, Para-Ski sei ein abgespecktes Spektakel, hat noch nie einen Monoski-Fahrer in der Abfahrt gesehen. Im Tofana Alpine Ski Centre in Cortina werden Medaillen in fünf Disziplinen vergeben – Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom, Super-Kombination. Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h sind keine Ausnahme. Die Athleten werden in drei Kategorien eingeteilt: sehbehindert, stehend körperbehindert und sitzend körperbehindert. Sehbehinderte Läufer arbeiten mit einem Guide zusammen, der per Zuruf die Linie vorgibt. Ein Handicap-System sorgt für Vergleichbarkeit – die Zeit wird je nach Behinderungsgrad mit einem Faktor multipliziert. Anna-Lena Forster gehört zu den deutschen Hoffnungsträgern, die in Cortina angreifen wollen.

Biathlon: schießen mit dem ohr, nicht mit dem auge

Biathlon: schießen mit dem ohr, nicht mit dem auge

Seit 1988 ist Biathlon im paralympischen Programm – und die Disziplin ist technisch faszinierender als viele ahnen. Im Tesero Cross-Country Skiing Stadium werden Sprint über 7,5 km, Sprintverfolgung und Einzel über 12,5 km ausgetragen. Das Gewehr trägt niemand auf der Loipe mit. Es wartet am Schießstand. Die Scheibe steht in zehn Metern Entfernung, geschossen wird ausschließlich liegend. Sehbehinderte Athleten zielen über ein Infrarot-Tonsignal: Je höher der Ton, desto mehr trifft der Schütze die Mitte. Anja Wicker, dreifache Weltmeisterin, will in Cortina wieder Gold. Die Ansage ist klar.

Skilanglauf: wenn ein team alle behinderungsgrade vereint

Skilanglauf: wenn ein team alle behinderungsgrade vereint

Klassik-Sprint, 10 km klassisch, 20 km Skating – das ist das Programm im Langlauf, ebenfalls im Tesero-Stadion. Was hier besonders auffällt: Bei den Staffel-Wettbewerben laufen Athleten unterschiedlicher Kategorien gemeinsam in einem Team. Sitzend, stehend, sehbehindert – alles in einem Staffelstab vereint. Das ist paralympischer Sport in seiner reinsten Form. Ralf Rombach und Silke Lang bereiten das Nordic Paraski Team Deutschland auf genau diese Momente vor.

Para-eishockey: der härteste sport auf kufen-schlitten

Para-eishockey: der härteste sport auf kufen-schlitten

Hohes Tempo, voller Körpereinsatz, blitzschnelle Aktionen. Para-Eishockey, seit 1994 im Programm, ist längst eine der Publikumsmagneten der Winterspiele. Die Athleten bewegen sich auf Kufen-Schlitten, in jeder Hand ein 85 bis 100 cm langer Schläger mit Spikes am Ende. Gespielt wird 3 mal 15 Minuten, Männer und Frauen teilen sich das Team. Die Milano Santagiulia Ice Hockey Arena wird die Kulisse liefern. Ingol Kuhli-Lauenstein ist wieder für Deutschland dabei – und kennt das Eis dort bereits aus dem Effeff.

Snowboard: die jüngste disziplin mit dem größten hunger

Snowboard: die jüngste disziplin mit dem größten hunger

Erst seit 2014 in Sotschi dabei, aber längst kein Gast mehr. Snowboard-Cross und Banked Slalom stehen im Cortina Para Snowboard Park auf dem Programm. Beim Snowboardcross fahren die Athleten auf einer 500 bis 1000 Meter langen Strecke mit Freestyle-Elementen – ab dem Achtelfinale in Vierer-Heats, nur die besten zwei kommen weiter. Beim Banked Slalom zählt einzig der schnellste von drei Läufen. Keine zweite Chance, kein Trost. Nur Zeit.

Rollstuhlcurling: erstmals auch mixed double – eine historische premiere

Rollstuhlcurling: erstmals auch mixed double – eine historische premiere

Seit 2006 in Turin ist Rollstuhlcurling paralympisch. In diesem Jahr gibt es im Cortina Curling Olympia Centre erstmals zwei Entscheidungen: das bekannte Mixed Team mit vier Spielern und das neue Mixed Double. Gefegt wird beim Rollstuhlcurling übrigens nicht – das unterscheidet die Disziplin grundlegend vom klassischen Curling. Der 19,96 kg schwere Stein muss näher ans Zentrum als der Stein des Gegners. Jeder solche Stein zählt einen Punkt. Der Skip bestimmt Taktik und spielt den letzten Stein. Klingt einfach. Ist es nicht.

Sechs Sportarten, 79 Goldmedaillen, ein Land als Gastgeber: Italien bekommt mit diesen Spielen eine Chance, der Welt zu zeigen, was paralympischer Wintersport wirklich bedeutet. Die deutschen Athleten reisen mit Ambitionen an – und mit dem Wissen, dass in Cortina und Mailand Geschichte geschrieben wird.