Wimmer flüchtet aus der drittliga-hölle – springt bei holstein kiel in walters turbo
Michael Wimmer ist weg vom Regensburger Jahn, weg vom Abstiegsstress, weg von der Frage, ob der dritte Liga nicht doch die Luft ausgeht. Stattdessen steht er ab sofort auf dem Trainingsplatz in Kiel-Groß-Grönau, wo Tim Walter sein pressingverrücktes Zweitliga-Projekt auf Hochglanz poliert. Der 45-Jährige unterschrieb beim Holstein Kiel als Co-Trainer – und damit kehrt ein altes Band zurück, das schon beim VfB Stuttgart für kurze Zeit explosive war.
Kein abriss, sondern eine befreiung
Die Trennung von Jahn Regensburg erfolgte „im beiderseitigen Einvernehmen“, wie es in der offiziellen Meldung heißt. Wer die Rückrunde der Drittliga-Saison verfolgt hat, weiß: Das war kein Abriss, das war eine Befreiung. Neun Punkte aus den letzten 13 Spielen, Fanproteste, Kellerluft – für Wimmer war der Absturz in die sportliche Bedeutungslosigkeit längenprogrammiert. Nun darf er wieder Fußball spielen lassen, statt zu retten.
Tim Walter freut sich wie ein kleines Kind, das seinen Lieblingsbaukasten wiedergefunden hat. „Michael bringt sehr viel Fachwissen und Energie mit und ist auch menschlich ein Zugewinn für das gesamte Team“, schwärmt der Holstein-Chefcoach. Die beiden gingen schon 2019 beim VfB Stuttgart gemeinsam durch den Bundesliga-Alltag – damals mit Walter als Chef und Wimmer als Analysefuchs, der Gegner auseinanderplückte, bis nur noch Zahlen und Laufwege übrig blieben.

Kiel setzt auf vertrackte gegnerstudien und sprintfolter
Die Störche haben in dieser Saison 63 Tore geschossen – mehr als jeder andere Zweitligist. Was fehlte, war die feine Raspel an der Defensive, die vertrackte Gegnerstudie, die verrückte Idee in der 89. Minute. Genau dafür ist Wimmer zuständig. Er wird neben Dirk Bremser und Julian Hübner die Trainingspläne mit Sprintfolter und Positionsdrill verfeinern, sodass Kiel nicht nur spielt, sondern auch gewinnt, wenn der Gegner mal auf Konter umstellt.
Die Verpflichtung ist kein Paukenschlag, aber ein Puzzlestück mit Signalwirkung. Walter will nicht nur den schnellen Vorstoß, er will die totale Kontrolle. Und Wimmer liefert das Datenfeuerwerk, das dafür nötig ist. In der 2. Bundesliga zählt jedes Prozent, jede Lücke, jeder Meter, den sich ein Außenverteidiger erspart. Wer da nicht rechnet, fliegt raus – oder landet irgendwann wieder in der dritten Liga.
Die Kieler haben mit diesem Schritt ihre Hausaufgaben gemacht, bevor die Relegation richtig heiß wird. Die restlichen sieben Spieltage werden zeigen, ob die Walter-Wimmer-Maschine nun noch einen Gang hochschaltet. Eines ist sicher: In Kiel wird nicht mehr gebastelt, sondern gebohrt. Und wer sich auf der Couch wundert, warum plötzlich jeder zweite Pass sitzt – der sollte wissen, dass dahinter ein Mann steht, der Regensburg den Rücken kehrte, um endlich wieder vorne zu liegen.
