Wimbledon-protest: tennis-stars zeigen unmut über preisgeldverteilung

Wimbledon erlebte erneut einen ungewöhnlichen Moment: Top-Tennisspieler demonstrierten ihren Unmut über die Preisgeldverteilung, indem sie Pressekonferenzen verkürzten. Ein Zeichen, das die Debatte um die Verteilung der Rekord-Einnahmen neu entfacht.

Der preisgelddiskurs: mehr als nur topstars profitieren

Der preisgelddiskurs: mehr als nur topstars profitieren

Die Aktion, bei der einige Spieler ihre Zeit vor den Medien auf maximal 15 Minuten reduzierten, wurde von Aryna Sabalenka als ein Kampf für die Spielerinnen und Spieler außerhalb des elitären Kreises beschrieben. Sie betonte, dass es darum gehe, denjenigen zu helfen, die Schwierigkeiten haben, überhaupt einen Trainer zu finanzieren. Die Belarussin, die selbst nach nur acht Minuten ihre Konferenz beendete, entschuldigte sich für die Kürze, machte aber deutlich, dass der Druck auf die Spieler, die nicht zur absoluten Weltspitze gehören, enorm sei.

Schon bei den French Open gab es ähnliche Aktionen, und Sabalenka hatte zuvor sogar von einem möglichen Boykott gesprochen, sollte keine Einigung erzielt werden. „Wir hoffen, dass wir uns an einen Tisch setzen und verhandeln können, ohne Medien oder Turniere boykottieren zu müssen“, äußerte sie in London.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Für Wimbledon werden in diesem Jahr 64,2 Millionen Pfund ausgeschüttet – ein neuer Rekord, der im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent gestiegen ist. Die Sieger im Einzel erhalten jeweils 3,6 Millionen Pfund, während Spieler, die in der ersten Runde scheitern, mit 80.000 Pfund abreisen. Diese Diskrepanz, gepaart mit den hohen Reise- und Unterhaltungskosten, die Tennisprofis als unabhängige Athleten tragen müssen, verstärkt den Unmut.

Jannik Sinner, der Weltranglistenerste, beteiligte sich ebenfalls an der Protestaktion und äußerte sich optimistisch über die Fortschritte in den Verhandlungen. „Es wird besser, auch wenn wir noch nicht an dem Punkt sind, an dem wir zu 100 Prozent zufrieden sind“, erklärte der Südtiroler. Er betonte, dass es nicht allein um das Geld gehe, sondern auch um die Verbesserung der Bedingungen für die Spieler.

Novak Djokovic, der serbische Rekord-Grand-Slam-Sieger, beteiligte sich nicht an der Aktion, doch die grundsätzliche Kritik an der Preisgeldverteilung hallt durch die Tenniswelt. Es ist ein Zeichen dafür, dass die Spieler bereit sind, für ihre Interessen einzustehen – und die Organisatoren von Wimbledon stehen nun vor der Herausforderung, eine Lösung zu finden, die sowohl die Topstars als auch die aufstrebenden Talente berücksichtigt.