Wimbledon-protest: tennisstars drohen mit medien-boykott!

London – Die Preisgelddebatte im Tennis erreicht neue Eskalationsstufen: Nach den Protesten bei den French Open kündigen Tennisprofis nun auch bei Wimbledon an, ihre Medienverpflichtungen einzuschränken. Der Rasenklassiker droht, in einen Konflikt zwischen Spielern und Veranstaltern hineinzurutschen.

Ein signal der unzufriedenheit: 15 minuten medienzeit

Die Ankündigung der Spielervertreter kommt überraschend, aber nicht unerwartet. Nach eingehenden Beratungen wollen die Profis in der ersten Woche von Wimbledon ihre vereinbarten Medienauftritte auf lediglich 15 Minuten pro Spieler begrenzen. Eine deutliche Botschaft an den All England Lawn Tennis Club (AELTC), dass die aktuelle Verteilung der Preisgelder in ihren Augen nicht angemessen ist. Die Aktion soll die Aufmerksamkeit auf die Forderung der Spieler nach einem höheren Anteil an den Turniereinnahmen lenken – konkret 16 Prozent.

Bei den French Open hatten die Spieler bereits einen ähnlichen Schritt unternommen, wenn auch in geringerem Umfang. Dort beschränkte sich der Protest auf den Medientag vor Turnierbeginn. Alexander Zverev, der bei den French Open triumphierte, hatte bereits damals seine Unzufriedenheit geäußert und auf die Notwendigkeit fairer Bedingungen für Spieler aller Ranglistenpositionen hingewiesen. „Es muss Fairness geben, nicht nur für die Top-Spieler, sondern auch für diejenigen, die auf Platz 250 stehen“, so Zverev.

Wimbledon erhöht preisgelder – reicht das?

Wimbledon erhöht preisgelder – reicht das?

Der AELTC hatte vor wenigen Wochen einen Anstieg der Preisgelder um 20 Prozent angekündigt, was eine Gesamtprämie von 64,2 Millionen Pfund (ca. 74,3 Millionen Euro) bedeutet. Deborah Jevans, Vorsitzende des AELTC, betonte, dass die Spieler auch weiterhin am Erfolg des Turniers teilhaben würden. Doch für die Spieler ist dies offenbar nicht genug. Die 15-Minuten-Regel soll die Diskrepanz zwischen den Preisgeldern und den Einnahmen widerspiegeln – Wimbledon zahlt derzeit etwas weniger als 15 Prozent der Einnahmen als Preisgelder aus.

Die Spieler hatten bereits im vergangenen Sommer einen Vorschlag unterbreitet, das Gesamtpreisgeld auf 71 Millionen Pfund (ca. 82 Millionen Euro) anzuheben. Die aktuelle Situation zeigt deutlich, dass der Konflikt um die Preisgeldverteilung im Tennis weiterhin ein heißes Eisen ist und Wimbledon nicht unberührt lässt. Es bleibt abzuwarten, ob der AELTC auf die Forderungen der Spieler eingeht oder ob die Medien-Boykott-Aktion tatsächlich umgesetzt wird – ein Szenario, das das prestigeträchtige Turnier erheblich beeinträchtigen könnte.