Wilhelmshaven: interimscoach diamesso stoppt den freien fall – doch der sommer bringt wandel

SV Wilhelmshaven bangt weiter im Abstiegskampf der Landesliga, doch der überraschende Interimscoach Luc Diamesso konnte im ersten Saisonspiel gegen den MTV Wolfenbüttel zumindest eine Atempause verschaffen. Ein 1:0-Sieg, der mehr als nur drei Punkte bedeutet: Er gibt dem angeschlagenen Verein Hoffnung und zeigt, dass die Lage nicht hoffnungslos ist.

Ein alter bekannter in notzeiten

Die Situation war klar: Nach dem erneuten Trainerwechsel – der dritte in wenigen Monaten – stand der SV Wilhelmshaven kurz vor dem Absturz. Präsident Dr. Hans Herrnberger griff nach der Entlassung von Frank Löning daher zu einer überraschend einfachen Lösung: Er holte Luc Diamesso zurück, einen Mann, der den Verein bereits zwischen 2003 und 2012 in seiner Spieler- und Trainerlaufbahn bestens kennt. Die Entscheidung fiel prompt, als der Anruf kam. "Ich war frei. Mein alter Verein. Warum sollte ich da nicht zusagen?", erklärte Diamesso seine Bereitschaft, das Ruder zu übernehmen – zumindest bis zum Saisonende.

Kopf sagt, herz folgt

Kopf sagt, herz folgt

Vier Tage Zeit hatte Diamesso, um seine neue Mannschaft auf das wichtige Spiel vorzubereiten. Doch statt auf komplizierte Taktik setzte der 51-Jährige auf Psychologie. "In der kurzen Zeit kannst du als Trainer nicht viel machen, nur den Spielern das Gefühl geben, dass sie so schlecht nicht sind und was sie erreichen können. Es ist eine Kopfsache. Du musst sie wecken und sagen, nee Jungs, wenn es so weitergeht, gehen wir runter." Und tatsächlich, die Worte des Trainers fanden Anklang. Gegen Wolfenbüttel zeigte das Team Willen, Mut und Mumm – eine Leistung, die nach fünf Niederlagen in Folge ein deutliches Zeichen setzt.

Interne probleme und ein teufelskreis

Interne probleme und ein teufelskreis

Doch hinter dem Sieg verbirgt sich auch eine tiefer liegende Problematik. Diamesso deutet an, dass interne Unruhen den Verein seit längerem belasten. "Es war Unruhe im Verein, aber das ist nicht meine Baustelle, dazu will ich nichts weiter sagen." Auch der ehemalige Trainer Florian Schmidt, der den Verein im Winter verlassen hat, sprach von "Entwicklungen, die ihn zunehmend gestört hätten" und "internen Spannungen". Die überraschende Trennung von David Jahdadic im Januar, die fragwürdige Verpflichtung von Frank Löning und die daraus resultierende Spirale aus Niederlagen – all das deutet auf ein tiefgreifendes Problem hin, das weit über die sportliche Leitung hinausgeht.

Neuanfang im sommer – mit diamesso richtung vechta

Neuanfang im sommer – mit diamesso richtung vechta

Luc Diamesso wird den SV Wilhelmshaven nach dem Saisonende verlassen und den abstiegsgefährdeten SFN Vechta übernehmen. Ein Wechsel, den der Verein akzeptiert. "So ist die Lage. Ich gehe nach Vechta. Über andere Sachen möchte ich auch gar nicht diskutieren. Das muss der Verein respektieren!", betonte Diamesso. Für den SV Wilhelmshaven bedeutet das, dass im Sommer ein kompletter Neuanfang anstehen wird – sowohl was die Mannschaft als auch das Trainerteam betrifft. Sportdirektor Lars Klümper ist sich bewusst, dass die ambitionierten Ziele der Jadestädter vorerst in weite Ferne gerückt sind. "Es geht um Schadenbegrenzung. Du musst die Klasse halten und sehen, dass du nächste Saison eine schlagkräftige Mannschaft zusammenbekommst. Wir müssen wieder bei null anfangen und auch die enttäuschten Zuschauer zurückgewinnen.“ Die kommende Zeit wird zeigen, ob der SV Wilhelmshaven diesen Neustart meistern kann. Die Hoffnung stirbt zuletzt – und Luc Diamesso hat zumindest für den Moment wieder ein wenig Hoffnung geweckt.