Wiegert zittert vor dem märz-loch – magdeburg darf champions-league-pause auslassen
Bennet Wiegert hat keine Zeit für Jubel. Zweiter Gruppenplatz, Achtelfinale ausgesetzt, Heimrecht im Viertelfinale – das klingt wie Luxus. Doch der SC-Magdeburg-Coach schielt schon auf den Kalender, und der sagt: 45 Pflichtspiele sind gespielt, 15 Tage Länderspielpause stehen bevor, danach droht dem deutschen Meister das Leistungsloch.
Paris kommt zur unzeit – und genau deshalb muss magdeburg gewinnen
Am Mittwoch (20.45 Uhr/Dyn) gastiert der SCM bei Paris Saint-Germain, am Sonntag beim abstiegsbedrohten Bergischen HC. Zwei Spiele in vier Tagen, dazwischen Reisen, Fan-Termine, Medientermine. „Die Verantwortung spüren wir“, sagt Wiegert und meint die 200 mitreisenden Anhänger ebenso wie die Belastungskurve seiner Nationalspieler. Denn nach der Partie in Wuppertal geht’s für Dahmke, Mertens, Weber & Co. direkt zu ihren Auswahlen – und keiner weiß, wie viele Minuten sie dort kassieren.
Die Sorge des 44-Jährigen hat einen Namen: March fatigue. In den vergangenen Jahren schlichen sich bei Topclubs zwischen 25. Spieltag und Finalspiel Ermüdungsverletzungen ein, wollten sich Bälle nicht mehr so genau in die Ecke legen, Tempogegenstöße endeten in Slapstick-Pässen. Wiegert hat die Videos gesichtet, die Statistik studiert. Sein Fazit: „Das kann im März und April zu etwas führen, das wir jetzt noch nicht sehen können.“

Training? kaum möglich – deshalb wird gespielt, was geht
Die Ironie: Um der Ermüdung vorzubeugen, bräuchte er genau das, was er nicht hat – Zeit. „So viele Trainingseinheiten haben wir gar nicht“, sagt Wiegert und kratzt sich an der Stoppuhr. Stattdessen setzt er auf Match-Praxis mit reduzierten Minuten. Gegen PSG will er trotzdem gewinnen, auch wenn der zweite Gruppenplatz fix scheint. Er will Rhythmus, will Selbstvertrauen, will vor allem keine Bruchlandung vor eigenem Publikum.
Die personellen Lücken verschweigt er. „Zwei, drei Jungs“ fehlen – Namen nennt er nicht, um dem Gegner keine Blaupause zu liefern. Die Taktik aber ist klar: Tempo drosseln, Kreisläufe wechseln, Deckung variieren. Kurz: Paris soll laufen, bis die Beine schwer werden, und Magdeburg soll die letzten fünf Minuten mit frischer Reserve spielen.

Länderspielpause ist kein geschenk – sie ist ein wettlauf gegen die uhr
Wenn am 27. Februar die internationalen Tore zuschlagen, hat Wiegert genau vier Tage, um seine Weltmeister zu entladen. Dann steht das Viertelfinale an – zwei Kracher, die den Saisonplan noch einmal auf 50+ Spiele hochschrauben. Wer da nicht bei 100 Prozent ist, fliegt raus. „Wir müssen jetzt punkten, um unsere Ausgangsposition zu stärken“, betont er und meint damit nicht nur die Tabelle, sondern auch die Köpfe.
Die Rechnung ist simpel: Je mehr Zähler vor der Pause auf dem Konto stehen, desto lockerer kann er rotieren, desto weniger Minuten müssen die Stars auf Nationalteamreisen bestreiten. Das Heimrecht im Rückspiel verspricht zwar Sicherheit, doch Sicherheit ist in diesem Geschäft ein Phantom. Fakt ist: Magdeburg hat die beste Rumpftruppe der Liga, aber auch die am stärksten gebrauchte.
Am Ende bleibt ein schaler Beigeschmack. Die Champions League schenkt dem SCM ein Extraspiel – und droht ihm gleichzeitig die Knie zu schlagen. Wiegert wird nicht jammern. Er wird in Paris gewinnen, in Wuppertal nachlegen und dann hoffen, dass der März nicht kommt – oder dass seine Jungs ihn zumindest verschieben. 45 Spiele sind genug. Mehr sollen es nicht werden.
