Wie ein achtjährer in sarno den rekord pulverisierte und toto wolff um den finger wickelte

Es dauerte zwei Runden – zwei! –, bis Giovanni Minardi wusste, dass er den Jungen vor sich nicht mehr loslassen würde. Ein Achtjähriger auf einem fremden Kart-Kurs in Sarno, 2014, spurtet die ideale Linie wie mit Schablone gezogen. Danach war klar: Kimi Antonelli kommt in die Formel 1, ob er will oder nicht.

Der moment, als minardi überzeugt war

„Ich kannte Marco, den Vater, vom Hörensagen. Er sprach nur in vagen Andeutungen – typisch für einen Ex-Piloten, der seine Kinder vor zu großen Erwartungen schützen will“, erinnert sich Minardi. „Dann fuhr Kimi vor mir her. Nach zwei Runden hatte er die Bestzeit, obwohl er die Strecke vorher nie gesehen hatte. Das ist keine Übung, das ist Anlage.“

Minardi senior hatte 1999 bei einem Test in Barcelona dasselbe Gefühl gehabt – damals mit einem unbekannten Spanier namens Fernando Alonso. Sein Sohn spürt diese Schwingung wieder, nur stärker. „Alonso war schnell. Antonelli war schon komplett. Bremspunkt, Einlenken, Austritt – alles wie aus einem Guss.“

Warum mercedes statt ferrari zuschlug

Warum mercedes statt ferrari zuschlug

Minardi Management startete sofort den Lobby-Marathon: Ferrari, Mercedes, alle großen Player erhielten Aktenordner mit Onboard-Videos und Telemetrie-Ausdrucken. Ferrari winkte ab – zu jung, zu viel Risiko. Mercedes-Chef Toto Wolff zeigte sich bei der Monza-Pause gesprächsbereit, schickte einen Scout nach Adria. Der Bericht: „Junge trifft jeden Apex, selbst wenn er nebenher Kaugummi kaut.“

2019 unterschrieb Antonelli beim Mercedes Junior-Programm. Die Karriereleiter war damit gesichert – und der italienische Motorsport bekam ein neues Aushängeschild, das nicht in Maranello gärtnert.

Was die familie anders machte

Was die familie anders machte

Papa Marco leitet seit Jahren ein Kart-Team, kennt jeden Zylinderkopf seines Feldes. Mama Veronica sorgte dafür, dass Kimi trotz Sponsoren-Terminen die Hausaufgaben machte und mit dem Schulbus fuhr. „Normalität ist das beste Set-up“, sagt Minardi. „Wenn du mit acht schon weißt, dass du für deine Geschwister die Einkäufe erledigen musst, bleibst du auf dem Boden – selbst wenn du 240 km/h durch Eau Rouge fliegst.“

Die Kombination aus technischem Genie und emotionaler Stabilität treibt Antonelli momentan durch die Formel 2. Die nächste Stufe ist nur noch Formsache.

Warum italien jetzt aufwachen muss

Warum italien jetzt aufwachen muss

Seit den Tagen von Fisichella und Trulli warten italienische Fans auf einen neuen Helden. „Kimi kann der Katalysator sein“, glaubt Minardi. „Aber die Industrie muss mitzahlen. Jedes Unternehmen, das heute einen Fußballverein sponsert, sollte sich fragen, warum es keinen Fahrer fördert. Ein Cockpit kostet Geld, aber ein Titel bringt Image zurück, das kein Werbebanner der Welt bietet.“

Die Uhr tickt. In zwei Jahren könnte Antonelli in der Königsklasse sitzen – mit einer italienischen Flagge auf der Motorhaube oder eben mit dem Stern aus Stuttgart. Minardi lacht: „Egal, wie das Auto aussieht, die Zeiten wird er selbst bestimmen. Schon als Kind hat er Rekorde nur gebrochen, um sich selbst zu besiegen.“