Werner schlägt zurück, müller schießt los: deutsche doppelpack-drama in der mls
Timo Werner brauchte nur 18 Minuten, um den kalten Keller Europas zu vergessen. Thomas Müller brauchte 37, um ganz Toronto in Schweigen zu versetzen. Am Sonntag erlebte die MLS ein deutsches Doppel: zwei Tore, ein Assist, null Zweifel.
Werner lief in San José auf, als die Earthquakes schon 1:0 führten. Atlanta United hatte den Gegner lange im Griff, doch die 61. Minute war der Moment, in dem sich alles drehte. Erster Ballkontakt: Drop-Pressing. Zweiter: Steilpass auf Ousseni Bouda. 2:0. Die 18.000 im PayPal Park tobten, als hätten sie gerade ein Play-off-Ticket gelöst.

Müller zeigt, warum rekordspieler nicht altern
3.000 Kilometer weiter nördlich turnte Müller in Vancouver schon vor der Pause ab. Elfmeter, 25. Minute – eiskalt. Direkt danach sprintet er 40 Meter, um Brian White anzufeuern. 37. Minute: Kopfball, 2:0. Kurz vor dem Pausenpfiff legt er das dritte auf. Drei Tore, drei deutsche Fingerabdrücke. White sprach später von „Leadership on steroids“. Kein Pathos, nur Tatsache.
Werner selbst klang nach Abpfiff wie ein Mann, der endlich wieder atmen kann. „Ich hatte das Gefühl, jeden Pass zu treffen, jeden Laufweg zu kennen“, sagte er dem SID. Die Liebe, von der er sprach, war keine Floskel. In Leipzig hatte er 287 Minuten in dieser Saison gespachtelt. In San José bekam er 18 Minuten – und eine Standing Ovation.
Die Zahlen sind klein, aber laut: Drei Jahre nach seinem letzten Länderspieltor hat Werner wieder eine Bühne. Müller, 37, hat in Kanada schon acht Scorerpunkte in fünf Spielen. Die Whitecaps sind Tabellenführer, die Earthquakes plötzlich Play-off-Kandidat. Die MLS hat ihre europäischen Rentner längst zu Lehrmeistern umgeschult. Gestern war nur der neue Beweis.
Die Liga, die einst als Auswärtsspiel im Ruhestand galt, ist längst ein zweites Karrieresprungbrett. Werner und Müller zeigen, warum. Keine Zeit verlieren, keine Gnade zeigen, keine Fragen offenlassen.
