Werder ohne torjäger milosevic: thioune zockt auf mainz-kannte

Ohne Jovan Milosevic, aber mit breiter Brust: Werder Bremen reist mit zwei Siegen im Gepäck in das Kellerduell gegen Mainz 05 – und muss dabei auf seinen angeschlagenen Serben verzichten. Trainer Daniel Thioune sieht trotzdem «eine extrem große Chance», mit derselben Elf wie beim 4:1 in Berlin zu beginnen.

Die schmerzen bleiben – milosevic fehlt erneut

Die Rückenprobleme des 21-Jährigen sind hartnäckiger als ein Berliner Verkehrsstau. «Er kann noch nicht trainieren, die Schmerzen sind nicht abgeklungen», sagte Thioune am Freitag. Neben dem Stürmer muss auch Abwehr-Talent Karim Coulibaly zuschauen; die Muskelverletzung des 18-Jährigen wirft Schatten auf den ohnehin schon engen Kader.

Doch die Stimmung an der Weser kippt. Nach 13 sieglosen Partien in Serie haben zwei Erfolge binnen sieben Tagen die Lüfte durchgebrütet. «Die Mannschaft gewinnt Woche für Woche an Selbstvertrauen», betonte Thioune. Das merkt man nicht nur auf dem Trainingsplatz, sondern auch in den Fan-Chats, in denen plötzlich wieder vom Klassenerhalt statt vom Abstieg geredet wird.

Mainz kommt mit europapokal-ambitionen

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Der Gegner ist alles andere ein Angstgegner. Mainz 05 schielt nach Jahren des Mittelmaßes sogar auf Europa – und hat in Bremen zuletzt dreimal in Folge gewonnen. «Die Bremer Halle war für uns immer ein Hort der Glückseligkeit», sagte Mainz-Sportvorstand Jan Heinen unlängst. Thioune will diese Serie stoppen, indem er Kontinuität wählt: «Wir haben in Berlin nicht ganz viel verkehrt gemacht.»

Die Zahlen sprechen trotzdem gegen Werder: Nur ein Punkt trennt die Grün-Weißen vom Relegationsrang, die Tordifferenz ist mit minus 14 die zweitschlechteste der Liga. Doch Fußball ist nun einmal kein Excel-Sheet. «Kellerduelle sind keine Statistik-, sondern Mentalitätsfragen», sagte Werder-Kapitän Marco Friedl nach dem Abschlusstraining. Die Mannschaft habe «den Knoten gekriegt», das sei «ein bisschen wie Fahrradfahren – wenn man’s wieder kann, vergisst man’s nicht so schnell».

Coulibaly-zukunft offen – millionen-deal im sommer?

Coulibaly-zukunft offen – millionen-deal im sommer?

Parallel zur sportlichen Kehrtwende brodelt die Gerüchteküche: Laut Bild-Zeitung könnte Coulibaly im Sommer für eine Rekord-Ablöse von bis zu zehn Millionen Euro den Klub wechseln. Der 18-Jährige, der diese Saison nur 195 Bundesliga-Minuten sammelte, wäre damit der teuerste Abgang der Vereinsgeschichte. Thioune winkt ab: «Erst einmal muss er gesund werden. Alles andere ist Makulatur.»

Am Sonntag um 15:30 Uhr steht Werder also wieder da, wo es in dieser Saison am meisten wehtut: im Abstiegskampf. Die Fans singen «Lebenslang Grün-Weiß», die Mannschaft will endlich Lebenszeichen setzen. Und selbst wenn Milosevic fehlt: Die Bremer haben begriffen, dass sie sich nicht mehr hinter einzelnen Spielern verstecken können. «Es zählt nur das Kollektiv», sagt Thioune. Klingt nach Kampf statt Kuscheltier – genau das braucht Werder, um Mainz die Europa-Träume zu zerstören.