Lara müller packt die koffer: u19-europameisterin flüchtet vor dem bvb-gerüst

Lara Müller lacht, wenn sie an den ersten Anruf aus Oldenburg denkt. „Ich dachte, mein Handy verarscht mich“, sagt die 19-Jährige. Statt Fake-Meldung war es ein Original-Angebot aus der Handball-Bundesliga. Nach vier Jahren im Trikot von Borussia Dortmund wechselt die Rückraum-Schützin zum VfL Oldenburg – und schlägt damit die Flucht aus der ewigen Talentschmiede vor.

Warum oldenburg und nicht der ganz große klub?

Müller spielte sich in dieser Saison schon in die Bundesliga-Rotation des BVB, doch der Sprung in die Stammformation blieb aus. Statt zu warten, schlug sie beim VfL zu, wo Sportchef Andreas Lampe sie längst als „verteidigungstechnische Wundertüte“ eingestuft hat. „Sie liest das Spiel wie eine 25-Jährige und trifft aus neun Metern wie ein Gewehrschuss“, schwärmt Lampe. Der Zweijahresvertrag gilt als Handschlag für eine Zukunft, in der Müller nicht mehr nur von der Bank springt.

Der Nebenaspekt: In Oldenburg studiert die gebürtige Niedersächsin künftig Sportwissenschaften – ein Luxus, den Dortmund nicht bietet. „Ich brauche ein Leben neben der Halle, sonst verliere ich den Funke“, sagt Müller. Ihre Familie wohnt nur 70 Kilometer entfernt, das nahm den letzten Druck raus.

Der vfl setzt auf jung statt star

Der vfl setzt auf jung statt star

Mit Torhüterin Lilly Janßen (19) und nun Müller besitzt Oldenburg zwei A-Jugend-Europameisterinnen im Kader. Lampe nennt das „Philosophie statt PR-Gag“. Der Klub verzichtet auf teure Importe und bankt auf heimische Turbo-Talente. Die Rechnung: Wer jung ist, rennt mehr – und kostet weniger Gehalt. Müllers Abwehranteil von 38 % in der laufenden Jugend-Bundesliga passt ins Konzept wie ein Schlüssel ins Schloss.

Dennoch bleibt ein Risiko: Müller muss sich gegen erfahrene Bundesliga-Abwehrreihen beweisen, die sie bisher nur in Einwechselminuten kannte. „Ich weiß, dass mich einige körperlich umhauen wollen“, sagt sie. Ihr Gegenmittel: Schnelligkeit und eine Trefferquote von 71 % im Kreis der besten Jugendspielerinnen Europas.

Am Ende zählt nur ein Fakt: Mit dem Wechsel schiebt Lara Müller der eigenen Karriere einen Turbo unter den Hintern – und der VfL schickt ein Zeichen an die Liga: Wir holen die Zukunft, bevor sie teuer wird. Wenn sie in Oldenburg durchstartet, war der erste Anruf kein Scherz, sondern der Startschuss zu einer neue deutschen Nationalspielerinnen-Ära. Sommer 2025, Markierung auf dem Kalender: Müller gegen den BVB – dann zeigt sich, wer den besseren Deal machte.