Werder bremen schlägt union berlin mit 4:1 – abstiegskampf kocht
Union Berlin ist am Sonntagabend in den eigenen Mauern eingebrochen. Nach Rot gegen András Schäfer (19.) lief Werder Bremen mit einem Mann mehr auf, verwandelte die An der Alten Försterei in eine grüne Festung und schoss sich mit einem 4:1-Sieg aus dem Keller der Bundesliga-Tabelle heraus.
Die Zahlen sind gnadenlos: fünf Punkte aus den letzten beiden Spielen, Platz 13 statt 16, Tordifferenz plus drei innerhalb von 180 Minuten. Daniel Thioune sprach hinterher von „einem Abend, der neue Energie gibt“. Sein Kollege Steffen Baumgart musste dagegen erklären, warum seine Elf seit fünf Partien sieglos bleibt und nur noch vier Zähler über dem Relegationsrang hängt.
Schäfers rot setzt die uhr auf turbo
Die Partie war noch keine 20 Minuten alt, da schien sie schon verloren. Schäfers Grätsche gegen Jens Stage war kein klassisches Leichtfoul, sondern ein Statement – allerdings ins eigene Knie. Referee Timo Gerach zückte sofort Rot, Baumgart schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Von diesem Moment an spielte nur noch eine Mannschaft Fußball.
Olivier Deman ließ dem 1:0-Anschlusstreffer von Ex-Werderaner Derrick Köhn keine Zeit zu kühlen, umkurvte die Abwehr und netzte zum Ausgleich ein. Vier Minuten später köpfte Stage nach einer Ecke die Gäste in Führung. Union versank in Passivität, die Bremer jagten jeden zweiten Ball. Die Halbzeitpfiffe klangen wie Erlösung für die Berliner – und wie Startschuss für die Gäste.

Grülls glückstor und covics krönung
Nach dem Seitenwechsel bestimmte Werder weiter das Tempo. Stage traf den Pfosten (50.), ehe Marco Grüll mit einem abgefälschten Schuss den Deckel draufsetzte. Die 22.000 Anwesenden verließen in Scharen das Stadion, als Patrice Covic in der Nachspielzeit das 4:1 erzielte. Die Aktion war symptomatisch: Union defensiv kopflos, Bremen konternd wie im Training.
Die Statistik lügt nicht: xWert von 2,4 zu 0,8, Ballbesitz 63 %, 17 Torschüsse gegen fünf nach der Ampelkarte. Baumgart sprach von „einer Nacht, in der alles schiefging“, doch die Probleme der Köpenicker sind struktureller Natur. Nur 20 Tore nach 25 Spieltagen, kein Sieg seit Ende Januar – das ist kein Formtief, das ist ein Systemkrater.
Werder dagegen reist mit Rückenwind nach Bremen. Das Restprogramm verspricht keine Geschenke: Leverkusen, Leipzig, Bayern. Doings Stimmung im Kabinengang war am späten Abend, als hätte die Mannschaft bereits den Klassenerhalt gebucht. Thioune betonte: „Wir haben noch nichts erreicht, aber wir haben uns selbst reingeschossen in den Kampf.“
Die Tabelle lügt nie, sagt man. Aktuell lügt sie für Union Berlin – und erzählt Werder Bremen ein Stück Hoffnung. Der Abstiegskampf ist offen wie nie, und manchmal reicht ein Platzverweis, um die Saison neu zu schreiben. Die Bremer haben ihren Satz begonnen. Die Berliner müssen ums Überleben zittern.
