Wembanyama schreibt playoff-geschichte: spurs zwingen okc in die doppel-ot-falle
Ein 2,24-Meter-Gigant, zwei Überstunden, 41 Punkte, 24 Rebounds – und ein dunk, der das Twitter-Timeline in Schutt und Asche legt. Victor Wembanyama hat die San Antonio Spurs in der Nacht zum Montag mit 122:115 nach zweifacher Verlängerung gegen die Oklahoma City Thunder zum 1:0 in den Western Conference Finals geschleudert. Der Titelverteidiger kassierte damit seine erste Playoff-Niederlage nach der Hauptrunde – und zwar vor eigenem Publikum.
Die sekunde, die okc zerbröselte
22 Sekunden vor Ende der zweiten Verlängerung stand die Uhr auf 118:115 für die Spurs. Wembanyama fing einen misslungenen Dreier von Shai Gilgeous-Alexander ab, sprintete den Ball im Schritttempo über die Mittellinie und versenkte ihn mit links durch die Reuse – ein Dunk, der das Paycom Center zum Kochen brachte. „Reine Willenskraft“, sagte der Franzose hinterher, als hätte er gerade nur den Müll runtergebracht. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: neun Punkte in der zweiten OT, 16/27 FG, 5/9 Dreier, dazu vier Blocks, die OKC in den letzten fünf Minuten regelrecht in die Knie zwangen.
Die Thunder hatten eigentlich alles richtig gemacht. Alex Caruso traf acht Dreier für seine 31 Punkte, Gilgeous-Alexander – frisch gebackener MVP – rettete mit einem Floater bei 101:101 die erste Verlängerung. Doch die Wurfquote des Kanadiers (8/24) wurde zur Klette. Und dann war da noch Isaiah Hartenstein: 12 Minuten, zwei Punkte, zwei Rebounds. Für einen Center, der in den vorherigen Runden 25,5 Minuten auf dem Parkett stand, ein Debakel. Deutschland verfolgte die Statistik mit angehaltenem Atem – und sah, wie Coach Daigneault auf Small-Ball setzte, weil Hartenstein gegen Wemby keine Antwort fand.

Spurs-coach popovich zieht die reißleine – und gewinnt
Gregg Popovich wechselte in der ersten OT auf eine 2-3 Zone, zog Jeremy Sochan als Wembanyama-Shadow und zwang OKC zu peripheren Würfen. Die Thunder trafen nur zwei ihrer letzten neun Versuche aus dem Feld, dazu zwei Ballverluste im letzten Minutentakt. „Wir haben Victor einfach machen lassen“, sagte Popovich trocken. „Manchmal ist das beste System kein System.“
Die Serie ist jetzt ein Psychokrieg. Spiel 2 steigt am Mittwoch wieder in Oklahoma City. Die Thunder müssen ihre Rotation neu justieren, sonst droht ein 0:2-Loch vor den zwei Partien in Texas. Die Spurs dagegen reisen mit dem Momentum eines Asteroiden – und mit einem 20-Jährigen, der in seiner ersten Playoff-Saison schon jetzt historische Zahlen schreibt. 41/24/4 – das hat in der NBA-Postseason noch kein Rookie hingelegt. Die Liga schaut fassungslos zu. OKC schaut auf den Countdown. Die Uhr tickt.
