Wembanyama liefert sich mvp-kampf mit shai und schießt gegen die jury
Victor Wembanyama trat nach dem 120:110 gegen Miami vor die Mikros und schickte eine Botschaft, die in der texanischen Nacht bis nach Oklahoma City vibrierte: „Ich bin der wertvollste Spieler, weil ich das Spiel auf beiden Seiten des Feldes neu definiere.“
Die defense ist keine nebensache
Der 20-Jährige zog eine Art Drei-Schlacht-Plan auf, warum ihm der MVP gehört. Punkt eins: Defense. „Das ist 50 Prozent des Spiels und wird in der Debatte vergessen“, sagte er. San Antonio erlaubt mit ihm 103,5 Punkte pro 100 Possessions – zwei weniger als die Liga-Top-Defense der Thunder. Wembanyama ist der einzige Nicht-Thunder-Spieler unter den sechs besten Individual-Defenders der Liga. Er jagt seine dritte Block-Krone in Folge; Rekord sind vier (Kareem, Eaton, Camby). Die Zahl, die Popovich jeden Morgen auf seinem Schreibblatt ankreidet: 3,0 Blocks im Schnitt, bei 24,3 Punkten und 11,2 Rebounds.
Die NBA hat nur sechs Saisonen mit dieser Kombination gesehen. Kareem schaffte es fünfmal, Hakeem zweimal, Shaq, Ewing und Robinson je einmal. Wembanyama will die siebte.

Direktduell gegen den favoriten gewonnen
Punkt zwei: der Kopf-an-Kopf-Vergleich mit Shai Gilgeous-Alexander. Die Spurs gewannen drei der vier Duelle gegen OKC, einmal ohne ihre Rotations-Player. „Wir haben die beste Mannschaft der Western Conference dominiert – das muss zählen“, sagte Wembanyama. San Antonio liegt nur drei Siege hinter den Thunder, obwohl der Roster vor zwölf Monaten noch als Projekt galt.

Offensiv-impact jenseits des scoring
Punkt drei: Offense sei nicht nur Punkte. Sein Plus-Minus von +6,8 pro Spiel liegt hinter Shai auf Platz zwei. Er eröffnet Räume, ohne den Ball zu berühren. „Gegner wechseln auf mich, dann ist ein Mitspieler frei – das taucht in keiner Statistik als Assist“, sagt er. Die Spurs haben 22 der letzten 23 Partien gewonnen. Die Liga schaut verdutzt auf eine 22-1-Bilanz, die wie ein Druckfehler aussieht.
Doch es gibt einen Haken. Für die MVP-Wahl braucht man 65 Einsätze. Wembanyama hat 58 auf dem Konto, muss also mindestens sieben der verbleibenden zehn Spiele bestreiten. Verletzungspech würde ihn aus dem Rennen werfen. Die Spurs-Ärzte stehen unter Strom, denn die Franchise spielt plötzlich um den Titel.
Die Jury wird sich zerreißen zwischen Zahlenwunder Shai, Triple-Double-Maschine Doncic und dem Franzosen, der das Spiel von Grund auf verändert. Wembanyama selbst wirkt gelassen: „Wenn es dieses Jahr nicht klappt, ist es nur eine Frage der Zeit.“ Die Zeit arbeitet für ihn – und gegen die Konkurrenz.
