Weltmeisterin dosso schämt sich für rom: trainiert im winter auf zerfetzter outdoor-bahn
Zaynab Dosso lacht nicht, wenn sie erzählt. Die frisch gekürte 60-m-Weltmeisterin der Hallen-WM sitzt im Radio-Studio von Rai Radio1 und schlägt mit flacher Stimme vor, was italienische Spitzenathleten als Normalität akzeptieren müssen: „Wenn ich mit den Amerikanern und Jamaikanern spreche, schäme ich mich.“
Keine halle, kein mitleid
Rom hat keine einzige vernünftige Indoor-Anlage. Also trainiert Dosso auch im Winter draußen, auf der Outdoor-Bahn von Acquacetosa. Die Startlinie ist abgelaufen, Löcher fräsen sich in den Tartan. „Wir zeichnen unsere Startblöcke mit Kreide nach“, sagt sie. Ihr Trainingspartner Luca Simonelli, Europameister über 100 m Hürden, „hat fast ein Knie verstaucht“, weil sich der Untergrund unter ihm wegdrückte.
Die Verantwortlichen schweigen. Dosso redet weiter, weil sie keine Wahl hat. „Wir holen Medaillen trotz der Bedingungen, nicht dank ihnen.“ Das ist kein Appell an die Politik, das ist eine Anklage. Ein Appell klingt nach Bitte. Dosso fordert.

Ein land, das sich selbst ausbremst
Italiens Leichtathletik boomt dank Athleten mit Migrationshintergrund – Jacobs, Dosso, Simonelli. Doch während die Welt nach Rom kommen will, um sich mit den Besten zu messen, muss Dosso passen. „Ich weiß, wie ihre Hallen aussehen. Ich kann sie nicht hierher einladen.“ Das kostet Startgelder, Image, Nachwuchs. Ein ganzes System verpasst die goldene Stunde.
Die Zahlen sind so einfach wie brutal: Null Indoor-Bahnen in der Hauptstadt, eine Outdoor-Anlage, die seit Jahren marode, unzählige Talente, die irgendwann aufhören, weil sie keine Perspektive sehen.
Der Rekord der 26-Jährigen – 7,00 s über 60 m – steht im Kontrast zur Realität. Sie läuft nicht schneller, weit weg von perfekten Bedingungen. Sie läuft schneller, obwohl alles dagegen spricht. Das ist keine romantische Underdog-Geschichte, das ist ein Skandal mit Happy End.
Der preis der stille
Rom kassiert Millionen für Touristen, die Kolosseum und Vatikan bestaunen. Für seine schnellste Bürgerin bleibt der Stadt keine 50 000 Euro, um eine provisorische Halle zu mieten. Dosso fragt nicht nach Luxus. Sie will nur einen Tartan, der nicht bröckelt, und ein Dach, das nicht regnet.
„Wir sind bereit, auf Weltniveau zu konkurrieren. Die Stadt ist es nicht.“ Das sagt sie am Ende des Interviews. Dann steht sie auf, geht zurück auf die Bahn, die sie sich selbst markiert hat. Die nächste WM rückt näher. Die Löcher werden größer. Und niemand im Rathaus rennt.
