Weissgerber bleibt: saarlouis sichert sich flügelflitzer bis 2028

Lars Weissgerber schlägt zu, trifft, läuft zurück – und bleibt. Der 28-jährige Rechtsaußen verlängert seinen Vertrag bei der HG Saarlouis um drei weitere Jahre, bis 2028. Für den Tabellenführer der 3. Liga Süd-West ist das mehr als ein Personalpoker: Es ist eine Kampfansage an die Zweite Liga.

Markus baur nennt ihn „den besten rechtsaußen der letzten jahre im saarland“

Die Zahl 94 steht in der aktuellen Saisonstatistik hinter seinem Namen. Kein HGS-Spieler traf öfter. Doch Zahlen allein erklären nicht, warum Sportdirektor Markus Baur nach der Vertragsunterzeichnung schwärmt. „Lars ist eine Identifikationsfigur. Er kann Spiele mit einer einzigen Aktion drehen, aber er bringt auch die Jugend mit“, sagt Baur. Gemeint ist der Katapultwurf aus neun Metern, der Weissgerber zum Junioren-Nationalspieler machte – und der in Saarlouis längst Kultstatus hat.

Die Rückkehr 2023 war ein Homecoming. Nach fünf Jahren bei der HSG Wetzlar, zwei Kreuzbandrissen und einer Corona-Zwangspause holte ihn der alte Klub zurück. Die Devise: Tore schießen, Aufstieg schaffen. 249 Treffer in seiner ersten Saison – Torschützenkönig aller vier Drittliga-Staffeln – ließen die Fans auf den Rängen des Saarland-Centers jubeln. Doch der Aufstieg verspielte sich in zwei unglücklichen Auswärtsspielen. Nun also der zweite Anlauf.

„Ich will mit dem verein geschichte schreiben“

„Ich will mit dem verein geschichte schreiben“

Weissgerber selbst redet nicht vom schnellen Euro. „Es war nie ein Geheimnis, dass ich zurückkam, um mit Saarlouis die 2. Liga zu erreichen“, sagt er. Der Linkshänder schlägt dabei einen Ton an, als ginge es um eine Lebensmission. „Ich kenne die Gesichter hinter den Kulissen, die Frauen, die nach jedem Heimspiel die Kabine putzen, die Kids, die unsere Handballschule besuchen. Mit denen will ich feiern.“

Trainer Jörg Lützelberger atmet auf. Mit Weissgerber hat er nicht nur einen Torjäger, sondern auch einen stillen Anführer. „Er redet nicht viel, aber wenn er spricht, hören alle zu“, sagt Lützelberger. Das sei in der heutigen Zeit kein Luxus, sondern Notwendigkeit. Denn die HGS hat sich jung gemacht: Durchschnittsalter 23,8 Jahre. Weissgerber ist mit 28 der Alterspräsident – und gleichzeitig Topscorer.

Die Konkurrenz schaut neidisch. Der TV Hüttenberg, Aufstiegskonkurrent, sicherte sich im Winter zwei Bundesliga-Leihgaben. Die HG Wallau-Massenheim pocht auf ein Etatplus von 400.000 Euro. Saarlouis? Hält seinen Flügelflitzer. Mehr muss es nicht sein, sagt Baur: „Wenn Lars fit ist, brauchen wir keine Superstars. Wir haben unseren eigenen.“

Am Sonntag empfängt Saarlouis die HSG Koblenz. Weissgerber wird starten, die Anhänger werden „Laaaaars“ rufen, und erneut wird jeder Wurf ein Statement sein: Ich bleibe – und ich treffe. Die 2. Liga wartet. Saarlouis auch. Und Christian Schneider schreibt weiter, weil Sport eben keine Zukunftsmusik ist, sondern ein Jetzt, das man sich selbst erarbeitet.