Weiden verweigert siegburg und erntet shitstorm – die mittelrheinliga kocht

Kein Schlagabtausch, keine Siegerehrung, nur ein wütender Trainer und ein Sportlicher Leiter, der sich als „Pranger“ bezeichnet fühlt: Das 2:0-Walkover für den Siegburger SV 04 gegen Teutonia Weiden spaltet die Liga, bevor der Ball überhaupt rollte.

Die Fakten sind schnell erzählt. Teutonia reiste nicht an, weil zehn Spieler krank oder verletzt sind, zwei Kreuzbänder gerissen und weitere nur mit Tape und Schmerzmittel hätten laufen können. Cemil Temür, Sportlicher Leiter der Gäste, wollte verlegen – Siegburg lehnte ab. Die Folge: ein 2:0-Sieg auf dem Papier für die Gastgeber, ein Imageschaden für Weiden.

Alexander otto spricht von „fadem beigeschmack“

„Wir sind mehr als enttäuscht“, sagt Siegburgs Trainer Alexander Otto. „Ein Oberliga-Spiel einen Tag vorher abzusagen, weil man lieber mit voller Kapelle spielt, hinterlässt einen faden Beigeschmack.“ Tom Caspers, Sportlicher Leiter des SSV, legt nach: „Man ist Sportsmann genug, dann fährt man hin und steht seinen Mann.“ Für Caspers wäre die Lösung einfach gewesen: Notfall-Kicker aus der C- oder D-Jugend hochziehen. Temür kontert mit erhobenem Zeigefinger: „Eine Kreisliga-C-Mannschaft in die Mittelrheinliga – das mache ich nicht. Das ist Risikofußball und respektlos den eigenen Spielern gegenüber.“

Die Szene ist klein, die Wucht groß. In WhatsApp-Gruppen kursieren Screenshots von Weidens Aufstellungskarte: ein Ersatztorwart, drei gesperrte Spieler, ein Feldspieler mit Wadenproblemen als Nummer zwölf. Ein Bild, das für manche Kommentatoren „Peinlich“ ist, für andere „ehrlich“.

Mittelrheinliga droht präzedenzfall

Mittelrheinliga droht präzedenzfall

Die Liga steht vor einem Dilemma. Wenn Weidens Begründung akzeptiert wird, könnte künftig jede Mannschaft bei Personalnot auf Verlegung pochen. Lehnen Gegner ab, droht das Walkover – ein Schlag gegen die sportliche Integrität. Geschäftsführer Jörn Duddeck kündigt ein Schiedsverfahren an, die Entscheidung fällt in dieser Woche.

Die Tabellenrechner laufen bereits. Ein 2:0-Zähler könnte Siegburg im Aufstiegsrennen halten, Weiden rutscht auf Rang 13. Doch die Zahlen sind nur halb wahr. Die andere Hälfte spielt sich in der Kehle der Beteiligten ab: zwischen dem Gefühl, sich richtig verhalten zu haben, und dem Verdacht, sich ducken zu wollen.

Während die Vereine streiten, schickt ein Fan ein Foto durchs Netz: leere Tribüne in Siegburg, ein einzelnes Trikot hängt über der Bande – Weidens Auswärtsteil. Die Botschaft: „Wir wären da gewesen.“ Kein Hashtag, kein Slogan. Nur ein Stück Stoff im Wind, das mehr sagt als alle Pressemitteilungen.

Am Ende bleibt ein Nachgeschmack, der nicht von der Tabelle gewaschen wird. Wer nächste Woche aufläuft, weiß man nie. Aber wer diesmal nicht erschien, den wird man nicht vergessen.