Wagner rückt auf: köln setzt auf kontinuität statt neuanfang

Der 1. FC Köln löst ein Problem mit dem nächsten Interimstrainer – und macht daraus ein Versprechen. Nach nur 27 Bundesliga-Spielen trennt sich der Klub von Lukas Kwasniok, setzt auf dessen bisherigen Assistenten René Wagner und signalisiert: Das war’s mit der Dauerbaustelle Trainerposition. Sportchef Thomas Kessler macht wenig Federlesens, warum genau jetzt der 37-jährige Wagner die Köln-Bank übernehmen soll: „Wenn ich diese Gedanken in Zukunft nicht hätte, dann hätten wir wahrscheinlich auch nicht so entschieden.“

Kwasniok war erst im sommer gekommen

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 15. Platz, zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, drei Siege aus den letzten 13 Partien. Doch die Trennung kommt trotzdem überraschend. Kwasniok war erst im Sommer aus Paderborn gekommen, hatte in Köln ein Projekt beginnen wollen und schaffte es nicht einmal eine Saison. Die Mannschaft schwankte zwischen mutigem Aufbauspiel und kollektiver Unsicherheit. Das 3:3 gegen Gladbach war symptomatisch: zwei Tage später war Schluss.

Wagner selbst wirkt wie das Gegenmodell. Kein externer Erneuerer, sondern jemand, der die Spieler beim Vornamen kennt. „Es ist kein Nachteil, wenn du jemanden hast, der die Mannschaft in allen Stärken, aber auch in allen Schwächen kennt“, sagt Kessler. Die Logik dahinter: Statt neue Ideen einzuführen, will der FC offenbar die vorhandenen Ressourcen besser nutzen. Der neue alte Mann an der Seitenlinie kommt aus dem eigenen Staff, braucht keine Einarbeitung, kein Umdenken.

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Nach der Länderspielpause geht’s nach Frankfurt. Dort erlebt Wagner seine Premiere als verantwortlicher Bundesligatrainer. Die Eintracht formiert sich als erste Hürde, die Köln nehmen muss, um den Abstand nach unten zu vergrößern. Kessler schickt dem 37-Jährigen mit dem erfahrenen Co-Trainer Armin Reutershahn eine Art Notfall-Duo an die Linie. Reutershahn war jahrelang in der Bundesliga unterwegs, kennt die Liga, kennt die Drucksituation.

Die Frage bleibt, ob Wagner wirklich die Lösung oder nur das kleinere Übel ist. Seit dem Abgang von Peter Stöger im Dezember 2017 wechselten zwölf Trainer durch die Bürocontainer in Müngersdorf. Kein Klub in der Liga hat sich öfter neu erfunden. Kontinuität war ein Fremdwort. Kessler weiß das, sagt es auch offen: „Natürlich wünschen wir uns, dass wir auf der Cheftrainer-Position auch Kontinuität bekommen. Das ist mir in diesem Fall nicht geglückt.“

Die Devise lautet jetzt: Erstmal schauen, dann bewerten, vielleicht verlängern. Wagner soll „maximal“ unterstützt werden, wie Kessler betont. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob diese Maximal-Unterstützung reicht, um Köln vor dem Strudel zu halten. Die Zeit arbeitet gegen den FC – und für Wagner. Denn je länger er erfolgreich bleibt, desto wahrscheinlicher wird aus dem Interim das Langfristige. Die Entscheidung liegt nicht mehr beim Sportchef, sondern auf dem Platz.