Vor 16 jahren: maria höfl-riesch krönt sich zur doppel-olympiasiegerin
Ein tag voller emotionen in vancouver
Am 26. Februar 2010 erlebten die Geschwister Maria und Susanne Riesch einen Tag, der in die deutsche Sportgeschichte einging. Bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver, Kanada, stand der Slalom auf dem Programm und sollte für Maria Höfl-Riesch (damals noch Maria Riesch) zu einem Triumph werden. Der Sport, so zeigt dieses Ereignis, ist ein Wechselspiel aus Freude und Enttäuschung, oft entschieden durch kleinste Zeitunterschiede.

Der druck vor den spielen
Maria Riesch ging als eine der Favoritinnen in die Rennen, was mit einem enormen Druck einherging. Nach ihrem Weltmeistertitel im Slalom 2009 in Val d’Isere erwarteten alle ein starkes Abschneiden. „Ich war Weltmeisterin, habe unzählige Rennen gewonnen. Da fährt man nicht hin, um dabei zu sein. Du willst ganz dabei sein“, erklärte sie später im Podcast Deep Dive. Doch bereits nach der Abfahrt, in der sie Achte wurde, konnte sie etwas Druck abbauen. Ihr erster Olympiasieg in der Super-Kombination war eine enorme Erleichterung.
Gold in der kombination, aber der blick geht weiter
Die Freude über das Gold in der Kombination war groß, doch Höfl-Riesch wusste, dass die Spiele noch nicht vorbei waren. „Es war eine unglaubliche Erleichterung, pure Freude. Aber trotzdem weiß man, es geht noch weiter“, erinnerte sie sich. Der Medienrummel und die Erwartungen blieben bestehen. Die nächsten Rennen brachten jedoch keine weiteren Medaillen: Platz acht im Super-G und Platz zehn im Riesenslalom. Der Druck stieg für das finale Slalomrennen.
Der dramatische slalom
Im Slalom galt Maria Höfl-Riesch als eine der Topfavoritinnen, zusammen mit der Österreicherin Marlies Schild. Nach dem ersten Lauf führte sie mit vier Zehntelsekunden Vorsprung auf Sarka Zahrobska (Tschechien) und 65 Hundertstelsekunden auf Schild. Ihre Schwester Susanne Riesch lag auf dem vierten Platz, nur sechs Hundertstel hinter Bronze. Der zweite Durchgang sollte zu einem emotionalen Achterbahnfahren werden.
Der triumph und die tragödie der schwestern
Während Susanne Riesch auf Medaillenkurs lag, stürzte sie und verpasste so ihre Chance. Für Maria Höfl-Riesch lief es jedoch perfekt. Mit einem Vorsprung von 43 Hundertstelsekunden katapultierte sie sich an die Spitze und wurde Doppel-Olympiasiegerin. Ein unbeschreibliches Gefühl, das sich laut Höfl-Riesch „nicht abnutzt“. Es ist immer wieder schön, auf das Podest zu steigen – und bei Großereignissen noch mehr.
Eine historische leistung und anerkennung
Mit ihrem Sieg leistete Höfl-Riesch etwas Besonderes: Sie war die erste Skifahrerin überhaupt, die bei Olympischen Winterspielen in allen fünf alpinen Disziplinen in die Top Ten fuhr. Diese Erfolge blieben nicht unbemerkt. Ende April 2010 erhielt sie vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler das Silberne Lorbeerblatt und wurde im Dezember desselben Jahres zur Deutschlands Sportlerin des Jahres gekürt.
Knotenpunkt knapp vermieden
Ihr Erfolg wäre fast nicht zustande gekommen. Bei dem letzten Rennen vor Olympia verhinderte sie nur knapp einen Sturz, der ihre Teilnahme gefährdet hätte. „Da ging es wahrscheinlich um Millimeter. Und wenn ich da eingefädelt hätte, wäre ich übelst gestürzt“, sagte sie. Doch am Ende ihrer Karriere hatte die Freude über ihre Erfolge die Sorgen über ihre Verletzungen überwogen. Insgesamt gewann Riesch vier olympische und sechs Weltmeisterschaftsmedaillen.
