Von der triathlon-piste direkt auf die leinwand: eva moral zertrümmert klischees
Eva Moral wollte nie Schauspielerin werden. Heute steht sie trotzdem vor der Kamera – und liefert eine Performance, die sogar Silvia Abril aus dem Hocker reißt. „Todos los colores“feiert Premiere, und niemand im Kinosaal ahnt, dass die Hauptdarstellerin vor drei Jahren noch ausschließlich auf der Triathlon-Rennstrecke unterwegs war.
Eine paralympics-medaillengewinnerin entdeckt das theater in sich
Die Madrilene ist Bronze-Gewinnerin von Tokio 2020, Europameisterin und mehrfache Weltmeisterin im Para-Triathlon. Doch als Regisseurin Beatriz de Silva im Casting die Tür öffnete, schlägt sie laut eigener Aussage den Jackpot: „Eva hatte alles – den Körper, die Haltung, die Authentizität. Wir wussten sofort: Das ist unsere Laura.“
Laura ist eine Paralympics-Athletin, die sich auf die Spiele vorbereitet und dabei zur Babysitterin für die rebellische 17-jährige Belén wird, die seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt. Kein Opfer-Kitsch, betont Silvia Abril, die die überfürsorgliche Mutter spielt: „Man vergisst tatsächlich, dass die beiden im Rollstuhl sitzen – es ist eine Komödie, die einfach Leben zeigt.“

Vom absturz ins rampenlicht
Die Parallelen zwischen Rolle und Schauspielerin sind verblüffend. 2010 stürzte Moral sieben Meter tief mit dem Rad und landete querschnittsgelähmt im Krankenhaus. „Plötzlich musste ich mich mit Sexualität, Beziehungen und der Frage auseinandersetzen, ob ich jemals Mutter werden kann“, erzählt sie. Genau diese Ängste verarbeitet die Handlung – nur mit 17 statt 30 Jahren.
Ihre Eltern wurden zu Überbeschützern. „Mein Vater fuhr hinter mir her, als ich nach dem Unfall wieder Auto fuhr“, lacht sie. Ihre Mutter weinte während der Premiere, weil sie sich im Film selbst erkannte.

Der sport als drehbuch fürs leben
Moral entdeckte den Leistungssport im Hospital Nacional de Parapléjicos und kaufte trotz des Radunfalls prompt eine Handbike. „Sport war meine Therapie und meine Befreiung“, sagt sie. Diese Energie bringt sie nun auf die Leinwand – und entdeckt dabei eine neue Droge: „Das Nervenkribbeln vor der Kamera ist wie vor einem Wettkampf.“
Am Sonntag startet sie beim Europameisterschafts-Triathlon, parallel läuft ihr Film in den Kinos. Zwei Karrieren, eine Botschaft: Barrieren gibt es nur, wenn man sie akzeptiert. Moral hat beide Welten gerade abgeschafft.
