Von der champions league in die vierte liga: pape cheikh diop startet beim edf logroño durch

Der Ball rollt wieder für Pape Cheikh Diop. Zehn Jahre nach seinem Debüt in Spaniens Primera División kickt der 29-jährige Senegalese ab sofort in La Rioja – für den EDF Logroño, Regionalliga, Gruppe Preferente. Kein Transfer, sondern ein Neuanfang.

Warum ein ex-champions-league-profi plötzlich auf dorfplätzen spielt

Diop landete am Dienstag in Logroño. Kein Medienrummel, keine Blitzlichter. Stattdessen ein paar Handys der Jugendspieler, die ihren neuen Mittelfeldchef filmen. „Ich brauchte einfach wieder Rasen unter den Nägeln“, sagt er, nachdem er seit August kein Pflichtspiel mehr bestritten hat. Die Familie ruft, die Karriere droht zu kippen – da folgt man dem Agenten Erik Alonso, der aus der Gegend stammt und eine Übergangslösung suchte.

Der Plan: vier Monate Fitnesstraining, Spielpraxis, mentale Reset-Taste. Dann, im Sommer, den Sprung zurück in eine europäische Top-Liga. Klingt verrückt, ist aber logisch. In Saudi-Arabien lief es zuletzt nicht, Lyon liegt sieben Jahre zurück, die U-21-Nationalmannschaft Spaniens ebenso wie die A-Auswahl Senegals. Diop kennt beide Seiten des Fußballs: Glamour und Vergessen.

Beim EDF Logroño trainiert er seit Mittwoch mit. Coach Aitor López ließ ihn sofort ins Mittelfeld rutschen. „Er nimmt sich Zeit mit den Jungs, erklärt Positionsspiel, erinnert sich an Namen – das ist kein gescheiterter Star, das ist ein Lehrmeister“, sagt López. Die Kicker aus der Region schauen auf, nicht nur wegen der Vita: Celta B, Celta Primera, Lyon für zehn Millionen Euro, Champions-League-Achtelfinale gegen Barcelona, Leihstation Elche, danach Slowakei, Saudi-Arabien, nun eben Logroño.

Von 40 000 zuschauern zu 400 – und er genießt es

Von 40 000 zuschauern zu 400 – und er genießt es

Diop selbst redet nicht über Rückschlag, sondern über Reife. „Was ich mitbringe? Keine Tore, keine Tricks. Ich bringe Geschichten. Wie man in Vigo mit 17 Jahren gegen Real Madrid spielt, ohne dass die Knie zittern. Wie man in der Champions League gegen Tottenham einen Doppelpass spielt, der das Stadion zum Kochen bringt.“ Er lacht. „Und ich bringe Senegal mit – Rhythmus, Musik, Lebensfreude. Fußball ist überall derselbe, nur die Umgebung ändert sich.“

Die Zahl der Saison: null Euro Transfergebühr, dafür 90 Tage intensives Programm. Diop will Ende Mai fit sein, dann testet er bei Zweit- oder Drittligisten. „Wenn ich in sechs Monaten wieder in der Primera stehe, ist das kein Wunder, sondern harte Arbeit“, sagt er. Logroño ist keine Endstation, sondern Schaltzentrale. Die Jungs vom EDF profitieren, der Senegalese auch – und vielleicht schreibt der Fußball wieder eines dieser Drehbücher, die nur er selbst kennt.

Am Sonntag tritt EDF Logroño bei CD Arnedo an. Pape Cheikh Diop wird von Anfang an auflaufen. 400 Zuschauer, Matschplatz, Seitenlinie voller Ziegenfelder – und mittendon ein Mann, der im Bernabéu und im Camp Nou gespielt hat. Das ist kein Abstieg, das ist ein Comeback im Kleinformat. Und manchmal beginnt die größte Revanche im kleinsten Stadion.