Vom champions-league-ass zum unterhaus-romantiker: schimpelsberger packt aus

Michael Schimpelsberger spielte gegen Inter, lieferte Tottenham das Aus, wurde von Erik ten Hag verspottet – und beendete seine Karriere beim ATSV Sattledt. Die Geschichte eines österreichischen Außenseiters, der den schnellen Ruhm überlebte und heute jungen Spielern die Fallgruben zeigt.

Als der 19-jährige Linzer vor 13 Jahren in Bremen zur Seitenlinie trat, war das Stadion ein einziges Brausen. Twente führte 1:0, die Champions-League-Hymne verklang, Werder-Fans pöbelten. Schimpelsberger bekach 18 Minuten, legte das 2:0 auf – und verschwand danach für Monate in den Medien. „Völlig surreal“, sagt er heute, „aber auch irgendwie gefährlich.“

Der preis des frühen höhenflugs

Innerhalb von drei Jahren raste er durch die Eredivisie, sammelte Duelle mit Wesley Sneijder und Javier Zanetti, wurde in die österreichische U21 berufen. Doch hinter den Fotos mit Superstars verbarg sich ein Teenager, der sich selbst kaum noch erkannte. „Du bekommst 40.000 Zuschauer, plötzlich glauben alle, du bist fertig. Ich war’s noch lange nicht.“

Die Rückkehr zu Rapid 2011 schien der nächste Karriereschritt. Zweiter Platz, Europa-League-Ticket, Auszeichnung als bester Neuzugang – dann rissen die Bänder. Drei Kreuzbände, eine Achillessehne, fünf Pflichtspiele in 36 Monaten. „Die Karriere war nicht zuende, sie wurde ausradiert“, sagt er ruhig, während er beim ATSV-Sportplatz in Sattledt die Torpfähke austellt.

Warum er heute für 400 euro aufstößt

Warum er heute für 400 euro aufstößt

Freitagabend, Landesliga West, Gegner: SV Bad Schallerbach. Schimpelsberger, 32, kassiert Gelb, schreit seine Mitspieler zusammen, trifft per Freistoß zum 2:1. Der Schiri pfeift ab, die Zuschauer drängeln sich an der Bratwurstbude. „Das ist der Gegenentwurf“, sagt er, „keine Beraterboni, keine TV-Kameras, nur Schuhe voller Schlamm.“

Sein Alltag ist mittlerweile Excel-Tabellen, Transferlisten, Zoom-Calls. Als Spielerberater verhandelt er mit Klubs in Polen, Dänemark, der Türkei. „Ich kenne das Gefühl, wenn der Vertrag dampft und man trotzdem leer ist.“ Deshalb schickt er seine Klienten nicht einfach zum nächsten Flieger, sondern erzählt von der Nacht in Bremen – und von den Monaten auf der Liege. „Wenn sie mich danach fragen, warum ich noch spiele, sage ich: Damit ihr nie vergesst, wofür der ganze Scheiß eigentlich gut ist.“

Am Sonntag steigt Schimpelsberger wieder in den Familien-Van, Frau und drei Kinder winken, er schultert die Einkäufe. Montag geht’s nach Belgrad, ein 18-jähriger Innenverteidiger wartet auf seine Unterschrift. Zwischen Makler und Mittelstürmer passt ihm genau diese Lücke. „Ich habe die Champions-League-Hymne gehört und die Knie weggeputzt. Heute reicht ein guter Pass in der Landesliga, damit ich wieder lachen kann.“

Und plötzisch lacht er wirklich, als ihm ein Fan ein Bier über den Zaun reicht. „Das ist kein Abstieg, das ist ein Seitenwechsel“, sagt er und trinkt. Die Karriere endet nicht mit dem Knall, sondern mit dem Klack der Stollen auf altem Kies.