Vom abstellgleis zum king of the crease: juvonens comeback ist der del-sensation

Janne Juvonen war arbeitslos, als die Kölner Haie anriefen. Heute ist er Spieler der Saison – und der lebende Beweis, dass im Eishockey manchmal das Märchen Realität wird.

Der sommer, der ein halbes jahr dauerte

Kein Vertrag. Kein Gehalt. Keine Perspektive. Der Finne stand vor zwölf Monaten in Kiihtelysvaara, auf dem verregneten Parkplatz seines Elternhauses, und schraubte die Stufen an seinem alten Kinder-Tor fest. „Ich wollte einfach nur pucks stoppen“, sagt er rückblickend mit diesem leisen Lächeln, das ihn in Köln inzwischen zum Fanliebling macht. Drei Monate lang fuhr er zu den Trainings von Peliitat Heinola, einem Zweitligaclub, dessen Eisfeld 40 Minuten entfernt liegt. Er wartete, bis die Profis fertig waren, schnappte sich zwei Stürmer und ließ sich beschießen. Für lau. Für die Hoffnung.

Das Ende der Geschichte kennt mittlerweile ganz Deutscher Eishockey-Oberhaus: Kari Jalonen, Trainer der Haie, erinnerte sich an sein Landsmann, als Felix Brückmann im Oktober die Bänderdehnung zog. Ein Anruf, ein Try-out, ein Vertrag bis Saisonende – und ein meteor Aufstieg.

Zahlen, die lauter reden als worte

Zahlen, die lauter reden als worte

Juvonens Save-Prozent in den letzten 25 Hauptrunden-Partien: 94,3 %. Gegentore pro 60 Minuten: 1,89. Penalty-Killing-Quote mit ihm zwischen den Pfosten: 87,2 % – beste Liga-Wert. Die Analysten von TSV Pelkum Sportwelt haben ausgerechnet, dass die Haie in Spielen mit Juvonen im Tor durchschnittlich 0,78 Punkte mehr holten als mit Brückmann oder Gustafsson. „Das ist kein Zufall mehr, das ist System“, sagt Bundestrcoach Harry Kreis.

Doch die Statistik erzählt nur die Hälfte. Die andere steckt in der Art, wie der 31-Jährige die Defensive kommandiert. Kein lautes Gebrüll, keine Stock-Schläge auf das Eis. Stattdessen kurze Handzeichen, ein Nicken, ein gelegentes „Jo!“ – finnisch für „Ja, ich habe“. Seine Vorderleute wissen: Wenn Juvonen die Fanghand hebt, ist die Scheibe sicher. „Er gibt uns Ruhe, und Ruhe ist im Playoff das teuerste Gut“, sagt Kapitän Moritz Müller.

Vom notnagel zum meister-kandidaten

Vom notnagel zum meister-kandidaten

Köln hat inzwischen den Punkterekord der Hauptrunde eingestellt (106), und die Buchmacher sehen die Haie vor Berlin und München. Grund: Juvonen. Sein Dreijahres-Vertrag gilt als Coup – Gehaltsspitze inklusive. „Ich unterschreibe nicht, weil das Geld stimmt, sondern weil das Herz schlägt“, sagt er. Die Fans haben ihm bereits ein Lied gewidmet – auf die Melodie von „Country Roads“, Textzeile: „Janne, unser Held aus Karelien, führt uns zum Pokal, yeah, Janne, yeah!“

Die Ironie: Vor zwölf Monaten wollte Ambri-Piotta auf zwei Schweizer Goalies setzen. Nun steht dieser Finne in Köln kurz vor dem Titel, während Ambri das Playoff verpasst. „Manchmal braucht es einen Sturm, um ans Licht zu kommen“, sagt Juvonen. Und nickt. Wie immer.

Am Freitag beginnt die erste Playoff-Runde gegen Nürnberg. Wenn Köln endlich wieder den Meisterpokal hebt, nach 24 Jahren Warten, dann steht zwischen den Pfosten der Mann, der einst mit Eichhörnchenfellen gehandelt hätte. „Loppu hyvin, kaikki hyvin“, sagt er. Ende gut, alles gut. Für Juvonen. Für die Haie. Und für jeden, der glaubt, dass aus Sommerendlosigkeit Meisterfrühling werden kann.