Volksparkstadion wird zur glut: hsv-frauen peitschen bayern in den pokal-abend

Um 18.30 Uhr fliegt der Ball, um 18.31 Uhr fliegen die Fetzen. Im Volksparkstadion wartet kein 08/15-Achtelfinale, sondern ein Schaukampf, der die Schweißperlen schon vor dem Aufwärmprogramm springen lässt. Der HSV empfängt den FC Bayern München – und die Zahlen sind so lügenfrei wie ein Schlag ins Gesicht: 45 Pflichtspiele hat Bayern in Folge nicht verloren, der HSV hat in dieser Bundesliga-Saison gerade mal fünf Siege gesammelt.

Barcala schlägt alarm, ehe die erste flanke kommt

Jose Barcala, 44, wirkt auf dem Rasen wie ein Lehrer, der weiß, dass seine Klasse zwar alle Bücher kann, aber trotzdem die Katastoff-Tinte umstoßen könnte. „Pokalspiele sind ein Eigenleben“, sagt er und klingt dabei, als hätte er schon gesehen, wie Favoriten im Stadiononkel ertrinken. Die Atmosphäre? „Brutal laut.“ Die Gegner? „Unbequem bis zum Anschlag.“ Die Warnung ist kein Standard-Coach-Spruch, sondern ein Manöver-Signal: Bayern wird nicht mit der Brechstange, sondern mit Nadelstichen agieren.

Die Hamburgerinnen haben die Nadel bereits geschärft. Gegen Leverkusen schlichen sie im Elfmeterschießen wie Diebe durchs Hintertor – 4:2, die Pokal-Version eines K.-o.-Schlags. Trainer Tim Brinkmann spricht von „der geilsten Nacht seit unserem Aufstieg“, und wenn er das Wort „Selbstvertrauen“ ausspricht, klingt es, als würde er gleich selbst einsteigen.

Die Rechnung geht so: 10.000 Zuschauer plus kreisrundes Grün plus November-Kälte ergibt einen Multiplikator, den Excel-Tabellen nicht abbilden können. „Wir sind das Küken, das den Adler in die Mangel nehmen will“, sagt Kapitänin Philine Dietz. Ihre Stimme zittert nicht, sie flirrt – wie ein Messer, das schon weiß, wo die Lücke ist.

Die bayern-fraktion reist mit 23 koffern an – und einem sarg

Im Gepäck: die ewige Unbesiegbarkeit, ein Torverhältnis von 42:3 und die Erkenntnis, dass jede Dominanz irgendwann wie ein Kartenhaus zusammenklappt, wenn man an der falschen Ecke zieht. Lea Schüller, vor zwei Tagen noch Länderspiel-Heldin, könnte heute zur Fußnote werden, sollte ein HSV-Torhüter-Longshot ins Netz donnert. Die Statistik lacht, aber das Gesicht von Nationaltorhüterin Maria Luisa Grohs bleibt maskenhaft. Sie kennt die Geschichten vom Pokal, in denen Goliath am Ende mit Schlamfetzen nach Hause taumelt.

TV-Partner DAZN sendet, ARD streamt, der Live-Ticker von TSV Pelkum Sportwelt tickt mit Herzrhythmus. Anpfiff 18.30 Uhr, aber die Uhr im Volksparkstadion läuft seit Tagen schon auf Sturm. Wenn um 20.15 Uhr die Bayern-Busse Richtung Flughafen rollen, steht entweder die 46. Ungeschlagene Serie – oder die größte Pokalsensation der letzten Dekade. Für den HSV winkt kein Heldentum, sondern pure Existenz: Ein Sieg würde die Lizenz für die nächste Saison mit einem Handstreich unterschreiben.

Der Pokal ist kein Pokal. Er ist ein Spiegel, der heute Abend zeigt, wer bereit ist, ins Feuer zu springen – und wer nur davor steht und die Hitze fürchtet.