Vogts schlägt alarm: dfb verpasst entwicklungsschritt!
Der frühere Bundestrainer Berti Vogts hat mit deutlichen Worten die Entwicklung des deutschen Fußballs kritisiert. In seiner Kolumne für die Rheinische Post prangert er eine gefährliche Selbstzufriedenheit im DFB an und fordert einen radikalen Umdenken, um den Anschluss an die internationale Spitze nicht zu verlieren.
Die deutsche schule des fußballes: eine insel?
„Wir dürfen nicht mehr in einem Elfenbeinturm sitzen und sagen: Wir sind der DFB, so wie wir es machen, ist es richtig“, schreibt Vogts. Die Selbstüberschätzung des Deutschen Fußball-Bundes sei besorgniserregend. Stattdessen müsse man die Augen öffnen und sich inspirieren lassen – von anderen Ländern, von anderen Trainingsmethoden, von anderen Denkweisen. Es geht nicht darum, blindlings Modelle aus England oder Brasilien zu kopieren, so Vogts. Vielmehr sollten deutsche Trainer aktiv werden und sich selbst ein Bild machen: „Der Bundestrainer muss nach England fahren, nach Frankreich, nach Südamerika. Er muss schauen: Was wird da anders und vielleicht besser gemacht, was können wir für uns nutzen?“
Ein regelmäßiger Austausch mit internationalen Trainern, wie er es in der Vergangenheit gab, sei dringend erforderlich. „So ein Meeting müsste es zweimal im Jahr geben, damit unsere Trainer immer auf dem neuesten Stand sind. Da lernt man mehr als auf Lehrgängen an der Sporthochschule“, betont der Europameister von 1996.

Die generation des stillstands: fehlt der kampfgeist?
Doch Vogts’ Kritik geht tiefer. Er sieht eine besorgniserregende Entwicklung bei den deutschen Profifußballern. „Wir haben im Moment keine Spieler, die auf höchstem Niveau mithalten können“, stellt er fest. Einzelne Spieler mögen Qualität besitzen, aber viele zeigen eine gefährliche Bequemlichkeit. Das sei keine deutsche Mentalität. „Da müssen wir ansetzen: Warum sind unsere Spieler nicht mehr Weltklasse? Warum sind wir in den Disziplinen hinten dran, die uns früher stark gemacht haben? Die anderen sind schneller, sie sind athletischer, sie können besser kämpfen.“
Die Diskrepanz zwischen dem einstigen Ruf des deutschen Fußballs als robust und diszipliniert und der aktuellen Situation ist alarmierend. Vogts spricht von verpassten Entwicklungen im internationalen Fußball – eine Feststellung, die angesichts der jüngsten internationalen Ergebnisse kaum widerlegt werden kann. Es ist eine Mahnung, die wir uns nicht leisten können zu ignorieren.
Die Zahl der fehlenden Weltklassespieler ist nicht nur eine Statistik, sondern ein Spiegelbild einer möglichen Entwicklungslage. Das Problem liegt nicht in der fehlenden Talentförderung, sondern vielmehr im Mangel an mentaler Stärke und der fehlenden Bereitschaft, sich über die eigenen Komfortzonen hinaus zu pushen. Es ist an der Zeit, die deutsche Fußballkultur neu zu definieren und den Kampfgeist zurückzugewinnen – bevor es zu spät ist.
