Vogts kritisiert dfb: wm-vorbereitung ein desaster?
Ein Schock für den deutschen Fußball? Berti Vogts, Europameistertrainer von 1996, schießt scharf gegen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dessen Vorbereitung auf die anstehende Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada. Der ehemalige Bundestrainer hält die Ausrichtung für eine gewaltige Herausforderung und wirft dem Verband vor, zu wenig Widerstand gegen das aufgeblähte Format mit 48 Mannschaften geleistet zu haben.
Die distanz zur vorbereitung: ein problem
Vogts bemängelt in einem Interview mit der Rheinischen Post die enormen Entfernungen, die unterschiedlichen Klimabedingungen und die Zeitverschiebungen. „Es ist extrem schwer, sich auf diese Szenarien vorzubereiten“, so der 79-Jährige. Eine Länderspieltour in die WM-Gastgeberländer, die er für hilfreich hält, sei aufgrund des straffen Terminkalenders im letzten Sommer und im Herbst nicht möglich gewesen. Die DFB-Auswahl war mit dem Final-Four-Turnier in der Nations League und der WM-Qualifikation beschäftigt.
„Ich glaube, keine Nation ist besser auf die WM vorbereitet“, räumt Vogts ein, betont aber gleichzeitig die Bedeutung eines funktionierenden Mannschaftsgefüges. „Fußball spielen kann jeder, der in einer deutschen Nationalmannschaft ist. Aber es muss eine echte Mannschaft sein, einer alleine ist nie Weltmeister geworden.“ Bundestrainer Julian Nagelsmann stehe nun vor der Aufgabe, „Ruhe in der Mannschaft“ zu bewahren, und dafür zu sorgen, dass die Spieler „sportlich, aber auch in der Gruppe harmonieren“.

Der bittere geschmack der kommerzialisierung
Doch Vogts' Kritik geht weit über die sportliche Vorbereitung hinaus. Er reiht sich in die Riege der Kritiker des neuen WM-Formats ein und übt scharfe Kritik an DFB-Präsident Bernd Neuendorf. „Ich weiß nicht, was sich die FIFA dabei denkt. Da geht es doch nur um das Finanzielle“, so Vogts. Er erwartet vom DFB-Präsidenten mehr Einsatz für den Fußball gegenüber der FIFA.
Die angestoßenen Debatten über eine weitere Ausweitung der WM-Teilnehmerfelder verbittert den ehemaligen Weltmeister von 1974 zusätzlich. „Das ist schlimm. Die Leute, die das tun, lieben den Fußball nicht. Wir müssen aufpassen, dass der Fußball am Ende nicht mehr ernst genommen wird.“ Die Gier nach immer mehr Geld droht, den Sport zu entstellen – ein alarmierender Trend, den Vogts mit Nachdruck anprangert.
