Vitamin-d-mangel ab 60: so stopfen sie die lücke, bevor der körper streikt

Ab 60 verändert sich das Spiel: Die Haut produziert nur noch ein Drittel der einstigen Vitamin-D-Menge, der Magen saugt Spurenelemente halb so effizient auf, und die Muskelmasse schrumpft jährlich um ein Prozent. Wer jetzt nicht nachlegt, zahlt den Preis mit mehr Stürzen, längerer Genesung und einem Immunsystem auf Sparflamme.

Valeria Blasi, Ernährungsbiologin der Mailänder Poliklinik San Raffaele, hat die Blutböden von 1.200 Ü-60-Patienten ausgewertet. Ergebnis: Jede zweite Person wies 25-OH-Werte unter 20 ng/ml auf – laut Weltgesundheitsorganisation klinischer Mangel. „Die Pandemie hat die Lage verschärft“, sagt Blasi. „Zwei Jahre Homeoffice plus Sonnencreme-Paranoia, und schon ist die Versorgung im Keller.“

Warum die d-lage so dramatisch ist

Die Vitamin-D-Fabrik in unserer Haut läuft nur noch im Schongang. UV-B-Strahlung mit Wellenlänge 290–315 nm müsste die 7-Dehydrocholesterin-Kette spalten – doch ab Mitte 60 reicht die epidermale Durchlässigkeit nicht mehr. Dazu kommt: Leber und Niere bauen die Vorstufe langsamer um. Selbst ein Spiegel von 30 ng/ml, einst Normalwert, wird zur Herausforderung.

Die Folgen sind kein abstraktes Risiko. Studien der Uni Zürich zeigen: Senioren mit Werten unter 12 ng/ml stürzen doppelt so häufig, brauchen nach Hüft-OPs drei Wochen länger zur Rehabilitation und liegen mit Influenza doppelt so oft auf der Intensivstation. Die Zahl spricht für sich: 30 Prozent aller saisonalen Atemwegsinfekte bei Älteren lassen sich durch adäquate D-Versorgung verhindern.

So dosieren sie richtig nach

So dosieren sie richtig nach

Blasi empfiehlt einen Stufenplan: Erst Blutwert bestimlen, dann individuell auffüllen. „Wer bei 8 ng/ml landet, braucht 4.000 IE täglich über acht Wochen, um auf 30 ng/ml zu kommen. Danach reichen 1.000 IE Erhaltungsdosis.“ Kritisch: Calcium-Plus-Präparate. „Hohe Kalziumzufuhr plus Vitamin-D-Booster kann Nierensteine fördern – besser separates Timing.“

Wer Wert auf Natur setzt, mste tricksen. 100 g Lachs liefert 570 IE, ein Ei 45 IE. Bei fünf Sonnenminuten im Juli bildet eine 20-Jährige 3.000 IE – ein 70-Jähriger gerade mal 300. Die Rechnung geht nicht auf. „Altersbedingt brauchen wir 3- bis 4-mal länger in der Sonne, um dieselbe Menge zu erzeugen – das macht niemand“, so Blasi.

Die nächste Zeitbombe tickt bereits: Vitamin B12, Omega-3 und Eiweiß folgen auf dem Fuße. Doch wer jetzt den D-Zug verpasst, rennt dem Rest hinterher. Die Devise lautet: Messen, nachlegen, nachmessen – und nicht auf gutes Wetter warten.