Virtus zieht die notbremse: ivanovic fliegt nach euro-debakel

Die Geduld der Virtus Bologna ist am Donnerstagabend mit dem Schlusspfiff in der Unipol-Arena ausgeschöpft. Nach dem 87:103 gegen Olimpia Milano schwappte nicht nur die siebte Niederlage in acht Partien durch die Kabinengänge, sondern auch die Gewissheit: Dusko Ivanovic ist Geschichte. Noch in der Nacht kassierte der serbische Chefcoach seine Entlassung – und sein Assistent Nenad Trajkovic folgt ihm auf dem Abstellgleis.

Der titel von 2025 zählt nicht mehr

Der Scudetto vom Juni, ein 4:1 gegen Brescia im Play-off-Finale, ist Makulatur. Ivanovic und Trajkovic hatten Mitte Dezember 2024 das Ruder übernommen, die Serie A stabilisiert und die Pokale im Schrank. Doch die EuroLeague verzeiht keine Schwäche, und die Bilanz von 13 Siegen bei 20 Pleiten setzt den Verein auf Rang 14 – gefährlich nah dem Fegefeuer der Qualifikation. Präsident Massimo Zanetti musste handeln, ehe die Saison komplett entgleist.

Die Lösung ist intern, aber nicht risikolos: Nenad Jakovljevic bekommt den Job – er ist 38, war bisher Co-Co-Trainer und springt nun ins eiskalte Wasser. Unterstützt wird er von Daniele Parente und Cristian Fedrigo, Verträge bis 30. Juni 2026. Ein Dreigestirn ohne Head-Coach-Vita, dafür mit jahrelanger Beobachtungszeit an der Seite von Svetislav Pesic, Luca Banchi und eben Ivanovic.

Nur noch neun klubs halten die fassade

Nur noch neun klubs halten die fassade

Mit Bologna erhöht sich die Zahl der EuroLeague-Teams, die in dieser Spielzeit den Trainer wechseln mussten, auf neun. Barcelona, Roter Stern, Mailand (Messinas Rücktritt), Partizan (Obradovic’ Abgang), Anadolu Efes, Monaco (Spanoulis), Paris und Bayern haben bereits getauscht – ein Sargnagel für die Stabilität, die das Format sonst predigt. Die italienischen Medien sprechen schon vom „Effetto Domino“.

Für Virtus geht es am Sonntag nach München, dann gegen Valencia. Die restlichen fünf Hauptrundenspiele sind Endspiele, will man sich nicht in die Play-in-Grube quälen. Die Fans fordern auf Social Media nicht nur Siege, sondern auch ein Konzept: Wie will ein Nachwuchscoach eine verunsicherte Stars-Truppe wieder auf Kurs bringen? Die Antwort bekommt Jakovljevic in Echtzeit – und die Uhr tickt laut.

Die Saison 2025/26 steht bereits im Kalender, doch wer den Titel verteidigen soll, steht noch nicht fest. Der Klub plant bereits die Neuausrichtung, Budgets werden gekürzt, Scouting-Listen verlängert. Der serbische Double-Coach mag gegangen sein, das Problem bleibt: In der EuroLeague zahlt jeder Fehlerlei Zinsen. Bologna musste den Pregler ziehen – und weiß, dass die Kugel jetzt rollt.