Vingegaard lauert: nur noch 27 sekunden bis zum rosa trikot!
Viareggio – Jonas Vingegaard hat im Einzelzeitfahren der Giro d’Italia zwar keine neue Etappe gewonnen, dafür aber einen entscheidenden Schritt zurückerobert. Der dänische Topfavorit verkürzte den Rückstand auf den Gesamtklassementführenden Afonso Eulálio auf lediglich 27 Sekunden – ein Hoffnungsschimmer im Kampf um das begehrte Rosa Trikot.

Ganna dominiert das zeitfahren, arensman macht boden
Die 42 Kilometer lange Einzelzeitfahrt von Viareggio nach Massa wurde von Filippo Ganna (Netcompany Ineos) in beeindruckenden 45:53 Minuten beherrscht. Der italienische Zeitfahrspezialist präsentierte sich in Glanzform und ließ die Konkurrenz hinter sich. Thymen Arensman, ebenfalls von Ineos, wurde Zweiter und rückte in der Gesamtwertung auf den dritten Platz vor, nur 1:30 Minuten hinter Vingegaard. Max Walscheid (Lidl-Trek) sicherte sich als bester Deutscher mit Rang sechs ein solides Ergebnis.
Doch der eigentliche Knaller des Tages war die Leistung von Afonso Eulálio. Der Portugiese, der bisher souverän die Gesamtführung innehatte, patzte im Zeitfahren gewaltig. Mit 42. Platz und einem Rückstand von fast fünf Minuten auf Ganna offenbarte er Schwächen, von denen Vingegaard prompt profitierte. Es scheint, dass die Hitze und die Anstrengung der bisherigen Etappen ihren Tribut gefordert haben.
Vingegaard selbst konnte zwar nicht sein volles Potenzial abrufen und blieb drei Minuten hinter Ganna zurück, aber die Schwäche seines größten Rivalen machte seinen Fehlstart fast wieder wett. Der zweimalige Tour-de-France-Sieger und einmalige Vuelta-Sieger, der mit einem Giro-Erfolg zu einem exklusiven Club von Radfahrern gehören würde, die alle drei großen Landesrundfahrten gewonnen haben, zeigte einmal mehr seine taktische Intelligenz. Er wartet geduldig, lässt andere Fehler machen und ist bereit, zum richtigen Zeitpunkt zuzuschlagen.
Die nächste Chance für Vingegaard, den Angriff auf das Rosa Trikot zu forcieren, bietet sich bereits morgen. Das elfte Teilstück führt über 195 Kilometer von Porcari nach Chiavari. Die hügelige Strecke könnte den Sprintern eine Chance eröffnen, aber auch taktische Kniffe und Attacken der Favoriten ermöglichen. Es wird spannend, ob Vingegaard die Gelegenheit ergreifen kann, um die Generalführung zu übernehmen – die Entscheidung liegt noch weit entfernt.
