Vingegaard jagt das rosa trikot – giro startet mit bulgarien-coup

Jonas Vingegaard tritt heute um 13.30 Uhr in Nessebar an die Adria-Küste – und will in drei Wochen auf dem Kapitol in Rom das Rosa Trikot überstreifen. Der zweifache Tour-de-France-Sieger nimmt die 3.459 km mit 49.150 Höhenmetern als Aufgalopp für das große Double. Kein Pogacar, kein Evenepoel, kein Lipowitz – die Bühne scheint frei. Doch das Rennen ist längst keine Ein-Mann-Show.

Warum die dolomiten erst das urteil fällen

Die Entscheidung fällt nicht in der ersten Woche, nicht auf den Steilpassen Siziliens, sondern erst zwischen Feltre und Alleghe. Am 29. Mai führt der Passo Giau auf 2.233 m – die Königsetappe Nummer 20. Drei Ruhetage (11., 18., 25. Mai) sind eingebaut, doch wer bis dahin seine Matches verbrannt hat, findet kein zweites Leben. Vingegaard kennt die Rechnung: „Wer in den Dolomiten noch Beine hat, der darf träumen.“

Die Route schickt die 184 Starter vorher durch Bulgarien – ein Novum. Nessebar–Burgas, dann Sofia: drei Tage Fernost-Feeling, bevor die Caravane nach Italien übersetzt. Die Logistik ist ein Kraftakt, die Promoter jubeln: neue Märkte, neue TV-Zahlen. Für die Fahrer heißt es: Temperatur-Sprünge, Zeitverschiebung, zusätzliche Belastung.

Boras doppelspitze und die deutschen außenseiter

Boras doppelspitze und die deutschen außenseiter

Bora-hansgrohe verzichtet auf Lipowitz, setzt stattdessen auf Jai Hindley – Australiens Giro-Sieger von 2022 – und den 21-jährigen Italo-Zauberer Giulio Pellizzari, letztes Jahr Sechster. Eine Bank, zwei Joker. Hintenraus kann sich zeigen, wer die Ruhetage besser verkraftet hat.

Deutschland reist mit acht Fahrern an, doch außer Pascal Ackermann für die Massensprints spricht nichts für ein deutsches Top-Ten-Resultat. Nico Denz, Florian Stork, Tim Torn Teutenberg, Max Walscheid, Jonas Rutsch, Ben Zwiehoff und Felix Engelhardt fahren Support-Rollen. Ackermann selbst sagt: „Wenn ich zwei, drei Etappen gewinne, ist mein Giro geglückt.“

Die Abwesenheitsliste liest sich wie ein Who-is-Who der Tour-Favoriten: Tadej Pogacar spart sich für die Klassiker, Remco Evenepoel peilt den Giro-Tour-Doppelplan 2026 an, Florian Lipowitz will sich nach seinem Frühjahrsmarathon erholen. Hinzu kam gestern der Rückzug von Joao Almeida – UAE schont den Portugiesen für die Tour.

Live dabei – so verfolgen sie den auftakt

Live dabei – so verfolgen sie den auftakt

TV: Eurosport, Stream: Joyn, Discovery+, HBO Max. Sport1.de und die Sport1-App tickern ab 13.30 Uhr. Die erste Etappe ist flach, Wind von Osten – ein Tag für Sprinter, nicht für Träumer.

Fazit: Simon Yates fehlt als Titelverteidiger – er hat seine Karriere beendet. Damit ist klar: Es gibt einen neuen Giro-König. Vingegaard will die Kro­nung, Hindley die Revanche, Bernal die Rückkehr in die Spitze. Die Zahlen sind gnadenlos: 21 Etappen, 49.150 Höhenmeter, drei Ruhetage. Wer am 31. Mai das Rosa in Rom trägt, darf sich nicht nur Sieger nennen – sondern auch lebendiges Beweisstück der eigenen Grenzverlegung.