Vikersund-debakel: nur reisch rettet die dsv-ehre
Der Monsterbakken hat die deutschen Skispringerinnen am Samstag regelrecht verschluckt. Beim ersten Skifliegen der Frauen in Vikersund schaffte es von vier DSV-Athletinnen gerade einmal eine ins Finale – und auch sie war von den Besten Welten entfernt. Das war kein schlechter Tag. Das war ein Einbruch.
Kvandal triumphiert auf heimischem eis
Den Sieg sicherte sich Eirin Maria Kvandal vor eigenem Publikum. Die Norwegerin flog auf 220,5 und 223 Meter und setzte sich damit gegen die Schwedin Frida Westmann (225/225 m) und die slowenische Weltrekordlerin Nika Prevc (224/204,5 m) durch. Kvandal gewinnt damit genau wie schon bei der allerersten Skiflug-Weltcuppremiere der Frauen vor zwei Jahren – ein Muster, das sich auf dieser Schanze zu wiederholen scheint.
Prevc, die als Weltcupgesamtsiegerin und Halbzeitführende in den zweiten Durchgang gegangen war, leistete sich einen schwachen Abschlussflug und verpasste die Titelverteidigung. Anna Odine Stroem hingegen katapultierte sich mit spektakulären 235,5 Metern noch nach vorne – einen einzigen Meter unter Prevcs Weltrekord. Solche Weiten zeigten, was an diesem Tag in Vikersund drin war. Für die Deutschen leider nicht.

Reisch: rekord am morgen, enttäuschung am nachmittag
Agnes Reisch begann den Tag noch mit einem Paukenschlag. Im Probedurchgang verbesserte sie ihren erst am Vortag aufgestellten deutschen Rekord um weitere fünf Meter auf nun 213,5 Meter. Eine Zahl, die Hoffnung machte. Doch im Wettkampf blieb davon wenig übrig.
Mit 201,5 Metern rettete sie sich als 15. gerade noch ins Finale – der letzte Platz, der dafür berechtigt. Dort dann nur noch 192 Meter. Kein Vorwärtskommen mehr möglich. Sie beendete den Wettkampf auf Rang 14. Ein Ergebnis, das schmerzt, wenn man weiß, was morgens noch möglich schien.

Schmid, freitag, seyfarth – alle drei scheitern vor dem finale
Katharina Schmid erlebt ihre Abschiedstournee in Norwegen als persönlichen Albtraum. Die Rekord-Weltmeisterin, die am Freitag mit 163,5 Metern kaum die Qualifikation überstand, sprang als erste Athletin vom Balken – und landete bereits bei 186 Metern. Der kürzeste Flug des gesamten Feldes. Die von ihr so sehnlichst angestrebte 200-Meter-Marke bleibt weiterhin unerreicht.
Selina Freitag (194 m) und Juliane Seyfarth (191,5 m) blieben ebenfalls unter der 200-Meter-Grenze und verpassten so den zweiten Durchgang. Alle drei hatten schon im Probesprung auf den hinteren Positionen gesteckt – ein Vorzeichen, das sich leider bestätigte.
Drei Athletinnen unter 200 Meter, eine im Finale ohne Chancen nach oben. Das Bild, das die deutschen Skispringerinnen in Vikersund hinterlassen haben, ist eines, das Bundestrainer und Sportdirektoren über den Winter hinaus beschäftigen wird. Am Sonntag folgt das zweite Skifliegen am selben Ort – die Chance zur Wiedergutmachung kommt schneller als erwartet.
