Vigo wird zur drehscheibe der solitaire du figaro: 600 seemeilen qual, dann atmen die profis aus

Die 41 Einschalen liegen still im Hafen von Vigo, doch der Mann, der sie beobachtet, weiß: Hier schlägt das Herz der Solitaire du Figaro. Marcus Hutchinson, Vizepräsident der Klasse, blickt über den Mole und erklärt, warum genau diese galicische Bucht der französischen Königsklasse im Alleingang den Atem wiedergibt.

Keiner zögert, als vigo auftaucht

„Wenn die Option kommt, hierherzukommen, sagt sofort jeder Ja“, sagt Hutchinson mit dem leichten Irischen Lilt, den er sich in der Bretagne bewahrt hat. Die Rechnung ist simple: 600 Seemeilen Anrennen durch den Atlantik, 72 Stunden Nonstop auf 10,25 Meter Carbon, danach braucht der Mensch mehr als einen Kaffee. Er braucht Dockplätze, Kräne, Hotels, Logistik und eine Stadt, die versteht, was Ocean Racing bedeutet. Vigo liefert alles in einem Paket.

Die Zahlen sprechen für sich: 41 identische Figaro 3, 200 Techniker, Wetter- und Medientrucks, Satelliten-Uploads, Frachtcontainer voller Ersatzsegel – und trotzdem läuft der Hafen wie ein Uhrwerk. „Wir brauchen keinen Sonderstatus, wir brauchen einfach nur, dass alles funktioniert. Hier funktioniert es“, sagt Hutchinson knapp.

Die cíes als tor zur entspannung

Die cíes als tor zur entspannung

Für die Skipper ist der Landgang mehr als Tankstopp. Sie rutschen aus dem französischen Hyperraum heraus, landen in einer Kultur, die Meer nicht als Kulisse, sondern als Lebensform versteht. „Die Jungs spüren sofort: Die Leute hier wissen, wovon wir reden. Es gibt Werft, Netzhersteller, Forschung, Kneipen, in denen noch über Strömungskarten diskutiert wird“, erzählt Hutchinson. Der Irin Tom Dolan, Gewinner der ersten Etappe, nannte den Sonnenaufgang bei der Einfahrt in die Ría von Vigo „das schönste Postkartenbild dieser Solitaire“.

Die Organisatoren hatten Vigo schon 2019 im Blick, doch die Pandemie verzögerte die Rückkehr. Jetzt ist die Stadt zurück – und bleibt. „Wir wollen internationale Türen öffnen. Spanien hat 4.900 Kilometer Küste, aber nur eine Handvoll Figaro-Fahrer. Mit einem Etappenformat und Basishäfen wie Vigo könnte hier eine komplette neue Liga entstehen“, wirft Hutchinson ein, bevor er wieder zum Dock eilt. Die Boote warten, die Wolken ziehen auf, und die zweite Etappe nach Pornichet beginnt in 24 Stunden. Die Solitaire du Figaro hat ihren Lieblingszwischenstopp gefunden – und Vigo antwortet mit einem entspannten „¡Adelante!“.