Kahun & co. feiern ersten wm-sieg: deutschland schießt ungarn aus dem stadion
Zürich – Kein Halten mehr. Nach zwei Pleitens hat Deutschlands Eishockey-Auswahl endlich die Bremse gelöst und Ungarn mit einem halben Dutzend Toren davongeschossen. 6:2 lautet die Ansage, die das Torfestival im Letzigrund krönt – und die WM-Chancen am Leben hält.
Leon gawanke schreibt persönliche wm-geschichte
Leon Gawanke war es, der die Partie schon früh in Richtung deutsche Reise führte. Der Verteidiger aus Mannheim traf dreimal und avancierte damit zum ersten deutschen Feldspieler seit 2010, der bei einer WM einen Hattrick gelandet hat. Sein dritter Treffer in der 50. Minute war zugleich die Entscheidung gegen die tapferen, aber chancenarmen Ungarn. „Wir haben endlich unsere Effizienz gefunden“, sagte Gawanke nach dem Schlusspfiff. „Endlich sitzt der Abschluss, endlich lachen wir wieder.“
Doch nicht nur Gawanke glänzte. NHL-Stürmer Lukas Reichel legte kurz vor der zweiten Pause den 4:0-Poker nach, als er aus spitzem Winkel die Latte unterbrach und anschließend per Nachschub versenkte. Eric Mik und Samuel Dove-McFalls sorgten für die weiteren Treffer, während Torhüter Philipp Grubauer erstmals in diesem Turnier eine weiße Weste über zwei Drittten hinweg bewahrte.

Sechs eisbären berliner liefern die basis
Ein besonderer Tag auch für die Sechs-Block-Fraktion: Mit Dominik Kahun, Moritz Müller, Kai Wissmann, Jonas Müller, Yannic Seidenberg und Stefan Loibl standen halb so viele Eisbären-Spieler auf dem Eis wie bei jedem anderen Club der Liga. Kahun, selbst nach schwachem Saisonstart in Berlin, lieferte die Vorlage zum 2:0 und blockte in Überzahl zwei Schüsse, die sonst ins leere deutsche Gehäuse gespült hätten. „Die Chemie stimmt“, sagte Bundestrainer Harold Kreis. „Wenn die Berliner Maschine läuft, zieht sie das ganze Team mit.“
Doch die Freude bleibt kurz. Schon am Samstag kommt mit Österreich der nächste Gruppengegner, zwei Tage später folgt Großbritannien. Beide Spiele gelten als Pflichtsiege, will Deutschland den Anschluss an die Viertelfinal-Plätze nicht verlieren. Die Rechnung ist einfach: Sechs Punkte aus den restlichen zwei Partien, und das Torverhältnis dürfte entscheiden. Momentan steht Deutschland bei plus vier, hinter den bereits qualifizierten Schweden und Finnen.

Harold kreis mahnt: „noch sind wir nicht im trockenen“
Kreis warnte nach dem Spiel vor zu viel Euphorie. „Ein Sieg gegen Ungarn ist kein Ticket fürs Viertelfinale“, sagte er. „Wir haben uns Luft verschafft, aber die nächste Hürde kommt schneller, als man gucken kann.“ Tatsächlich zeigte die Defensive gegen Ende Lücken, als Ungarn durch Adam Huszics und Balint Magosi den Ehrentreffer und das 2:6 erzielte. Grubauer musste sogar noch einen Penalty parieren, um die Gegenoffensive zu stoppen.
Die Botschaft ist klar: Wer in der Schweiz träumt, muss zuerst rechnen. Für Deutschland heißt das: Samstag um 20:20 Uhr gegen Österreich. Ein weiterer Sieg, und das Torfestival von Zürich bekommt eine Fortsetzung – vielleicht sogar mit Viertelfinal-Charakter.
