Vieira zaubert wie van der vaart – doch der hsv zögert wegen 20-millionen-haken
Fábio Vieira bringt das Volksparkstadion zum Beben mit Toren, die an Rafael van der Vaart erinnern. Eine 20-Millionen-Option lässt die Hansestädter zögern – obwohl der Portugiese mit acht Torbeteiligungen aktuell der beste HSV-Scorer ist.
Van-der-vaart-geist in der rothosen-kabine
Seit Jahren suchte der HSV nach dem Erben der van-der-Vaart-Magie. Jetzt steht er in Form des 25-jährigen Leihspielers da, der mit dem linken Fuß mal schnippst, mal hämmert und dabei sogar Lionel Messi tunnelt. Die Parallelen zum Niederländer sind offensichtlich: beide kamen jung, hatten Topklubs hinter sich und entfalten ihre Kunst aus dem Rückraum. Der Unterschied: Van der Vaart kostete 2005 fünf Millionen, Vieira würde 2027 vier Mal so viel kosten.
Die Zahlen sprechen für sich. Drei Tore und eine Vorlage in den letzten fünf Partien. Acht Torbeteiligungen in 13 Spielen. Kein anderer HSV-Profi steht besser da. „Er kreiert Räume, die wir sonst nicht finden“, sagt Co-Trainer Merlin Polzin. Gegen Leipzig initiierte Vieira das 1:0, indem er einen Fehlpass abfing, Königsdörffer steilte und selbst einschob. Sekunden später jagte der Ball wieder im Netz – diesmal das Gegentor, eingeleitet von Vieiras Fehlpass. Genau diese Achterbahnfahrt macht seine Ausstrahlung aus.

Roter schatten auf dem zauber
Die Bundesliga kennt keine Gnade. Nach zwei Platzverweisen in den ersten fünf Einsätzen schrieben Kommentatoren schon den nächsten Fall ab. „Neue Sprache, neue Liga, neue Stadt“, rechtfertigt Vieira selbstkritisch. Polzin nennt es „Erziehungsarbeit“. Die roten Karten kosteten Punkte, verlängerten aber auch die Lehrzeit. Vieira lernte, wann Tackling, wann Täuschung. Seitdem steht er nicht mehr in der Klemme, sondern im Rampenlicht.
Der Kapitän des Gegners lobt ausgerechnet ihn. Yussuf Poulsen, der mit Simons, Olmo und Nkunku in Leipzig Champions-League-Nächte erlebte, sagt: „Sein Flow mit dem Ball ist einzigartig.“ Das ist keine Floskel. Poulsen spielte gegen Vieira, nicht mit ihm. Trotzdem schwärmt er – weil der Portugiese ihn dreimal aussteigen ließ.

20 Millionen euro – ein preis, der den verein zerreißt
Claus Costa spricht es offen aus: „20 Millionen sind sehr unwahrscheinlich.“ Die Ablöse wäre höher als jemals ein HSV-Spieler gekostet hat. Die Klausel liegt bei genau diesem Betrag, weil Arsenal 2022 35 Millionen für Vieira zahlte und nun Wert sichern will. Der HSV bräuchte ein „klares Commitment“, sagt Costa. Gemeint ist: Vieira müsste öffentlich signalisieren, dass nur Hamburg zählt. Anders ließe sich die Summe nicht drücken.
Die Uhr tickt. Die Leihe endet im Juni, der Vertrag in London 2027. Sollte der HSV die Europa League erreichen, winken zusätzliche 15 Millionen aus der UEFA-Kasse. Ein Viertel würde schon reichen, um die Ablöse zu finanzieren. Die Frage ist: Will Vieira bleiben? Oder nutzt er den HSV als Sprungbrett zurück in die Champions League? Seine Antwort fällt aus, wenn er am Mittwoch gegen Bayer Leverkusen wieder den Ball durch die Linien pflückt. Dann entscheidet sich, ob der Zauber nur eine Episode wird – oder ein neues Kapitel beginnt.
