Vfb pulverisiert wolfsburg: lewelings doppelpack und undavs 14. tor schreien nach wm-ticket

Klaus Schäfer, TSV Pelkum Sportwelt – 102 Tage vor dem WM-Auftakt in den USA haben sich Julian Nagelsmanns Wunschkandidaten beim 4:0 gegen den VfL Wolfsburg in einen Rausch gespielt, der selbst das Mercedes-Benz-Arena-Dach leicht schwingen ließ. Jamie Leweling erlegte die Niedersachsen mit zwei Schüssen, Chris Führich servierte doppelt, Deniz Undav schraubte seine Saison-Bilanz auf 14 Treffer – und plötzlich steht Stuttgart nicht nur auf Champions-League-Kurs, sondern auch auf der Liste der Nationalteam-Insider ganz oben.

Leweling nutzt belocians albtraum-debüt

Jeanuel Belocian, 19-jährige Leihgabe von der Werkself, wird diese 90 Minuten als Lehrstück für „Zu schnell, zu heiß, zu Leweling“ abhaken. Der deutsche Außenstürmer spielte sich in der 30. und 42. Minute frei wie auf dem Übungsplatz, versenkte die Bälle kalt und ließ Belocian zurück wie einen vergessenen Trainingspylon. „So läuft’s, wenn du hart arbeitest“, sagte Leweling nach Abpfiff, ohne dabei auch nur einmal zu lächeln – Stuttgarter Understatement.

Für Wolfsburg war es der siebte Auswärts-Klaps in Folge, die Abstiegszone rückt näher. Für Stuttgart war es der Beweis, dass die Europa-League-Pleite gegen Celtic nur ein kurzes Schluckauf war.

Undav tickt wie ein uhrwerk – und trifft wie ein scharfschütze

Undav tickt wie ein uhrwerk – und trifft wie ein scharfschütze

Deniz Undav jagt Zahlen, keine Gegner. Tor Nummer 50 im VfB-Trikat fiel nach einem Quetschpass von Ermedin Demirovic, der sich erst ins Schienbein, dann ins Tor wünschte. „Deniz ist eine Maschine“, sagte Demirovic und schüttelte den Kopf, als hätte er gerade gegen einen Roboter trainiert. Trainer Sebastian Hoeneß pflichtete bei: „Boah, das ist stark.“ Die Fakten sprechen ohnehin für sich: 14 Liga-Tore, 8 Vorlagen, 1,7 xG pro 90 Minuten – Undav produziert Ausbeuten, die selbst Erling Haaland anerkennen würde.

Hinter dem Tor steckt mehr als nur Instinkt. Undav positioniert sich zwischen die beiden IV, verlagert das Gewicht millimetergenau und zieht ab, bevor der erste Gegenspieler den Fuß heben kann. Kein Zufall, dass Nagelsmann ihn nun fest im Kader sieht.

Führich und stiller liefern das mittelfeld-konzert

Führich und stiller liefern das mittelfeld-konzert

Chris Führich war der Dirigent, Angelo Stiller der erste Geiger. Führich legte zwei Assists auf, sprintete 11,3 Kilometer und gewann 70 % seiner Duelle – Zahlen, die bei Lopta-Analysen sofort ins rote Tippfeld rutschen. Stiller eroberte 13 Bälle, startete sechs Angriffe und spielte 94 % seiner Pässe genau. Zwischen ihnen entstand jene Drehung, die Wolfsburgs Sechser-Block wie Kreisel wirbeln ließ.

Die Statistik hinter dem Statistik: Stuttgart erzielte in dieser Saison bereits 18 Tore nach eigenem Ballgewinn im Mittelfeld – Spitzenwert der Liga. Gegen Wolfsburg kamen zwei weitere hinzu. Wer sofort kontert, braucht keine 70 % Ballbesitz, sondern nur die richten Leute.

Nübel bleibt ein zuschauer – und das ist gut so

Nübel bleibt ein zuschauer – und das ist gut so

Alexander Nübel bekam den 4:0-Sieg als Geschenk. Erst in der Nachspielzeit der ersten Hälfte musste er sich einmal aufrichten, als Lovro Majer frei durchbrach – aber der Kroate schoss vorbei. „Klar haben wir Glück“, gab Hoeneß offen zu. Danach kam nur noch Kento Shiogai an den Ball, Nübel hielt souverän. Die Null steht, die WM-Chance auch.

Die Botschaft ist klar: Stuttgart defensiv nicht länger die Abstiegs-Kandidaten-Siebe der Vorsaison, sondern ein Kollektiv, das sogar den eigenen Keeper kaltstellen kann.

Englische wochen, deutsche träume

Mit 46 Punkten gleichauf mit Hoffenheim warten nun Mainz, Porto, Leipzig, Porto, Augsburg, Dortmund – ein Programm, das selbst Profis kalte Füße bereitet. „Man merkt es in den Knochen“, sagte Demirovic, „aber wenn’s so läuft, willst du direkt wieder ran.“ Die Knie magern, der Kopf jubiliert.

Für Nagelsmann ist die Rechnung simpel: Leweling links, Undav mitte, Führich als Turbo-Option – und plötzlich wirkt der 27. März in der Schweiz wie ein Testlauf für die WM-Startelf. Stuttgart liefert, der Bundestrainer lacht. Die Maschine schläft nie.