Kreuzbandriss! cans dortmund-zukunft steht auf messers schneide

Emre Can hat sich am Samstag im Topspiel gegen Bayern München das vordere Kreuzband im linken Knie gerissen. Die Saison ist für den BVB-Kapitän vorbei – und möglicherweise auch seine Zeit in Dortmund. Sein Vertrag läuft im Sommer aus, eine Verlängerung war bislang offen, nun ist alles in Schwebe.

Die verletzung kam ohne fremdeinwirkung

Kein Schubser, kein Foul. Can drehte sich in der 38. Minute im eigenen Strafraum um die eigene Achse, das Knie knickte weg. Er versuchte noch, weiterzuspielen, stemmte sich auf, humpelte zwei, drei Schritte – dann fiel er erneut. Die Untersuchung am Sonntag bestätigte den Verdacht: vorderes Kreuzband komplett gerissen, Innenband ebenfalls beschädigt, Meniskus angerissen. Operation in den nächsten Tagen, Pause mindestens neun Monate.

Trainer Niko Kovac stand nach dem 2:3 noch mit leerem Blick auf der Pressekonferenz: „Er hat mir nur gesagt: ‚Kaputt.‘ Dann war er weg.“ Kovac wusste sofort, dass es dick kommt – Can hatte schon 2013 am rechten Kreuzband operiert werden müssen. „Diese Bilder kenne ich“, sagte Kovac leise.

Vertrag im sommer 2026 aus – bvb muss sich beeilen

Vertrag im sommer 2026 aus – bvb muss sich beeilen

Die Frist tickt. Cans Arbeitspapier endet am 30. Juni 2026, Verhandlungen liefen bislang auf Sparflamme. Sportdirektor Sebastian Kehl beteuert nun „maximale Unterstützung“, doch intern ist man sich uneins. Eine Verlängerung für einen 33-jährigen Innenverteidiger mit zweitem Kreuzbandriss? Die Mediziner warnen: Wiederholungsrisiko steigt, Explosivität sinkt. Die Geschäftsführung schwankt zwischen Loyalität und kaltem Kalkül.

Can selbst hatte erst im Januar signalisiert, sich „nicht auf der Bank verstecken“ zu wollen. Er wollle Champions-League-Fußball, seine Familie fühle sich in Dortmund wohl. Nun droht ihm das Aus – und die WM 2026 in den USA ebenfalls. Bundestrainer Julian Nagelsmann strich ihn sofort aus der Länderspiel-Planung.

Die kabine verliert ihren machtfaktor

Die kabine verliert ihren machtfaktor

In der Kabine gilt Can als Lautsprecher. Er schreitet ein, wenn Jadon Sancho zu lange tänzelt, er schubst Jude Bellingham nach vorne, wenn der Kopf hängt. „Ohne Emre fehlt der Polizist auf dem Platz“, sagte Mitspieler Julian Brandt. Niko Kovac muss nun seine Führungsspieler-Umverteilung starten: Gregor Kobel trägt das Armband, Mats Hummels übernimmt die Schiri-Diskussionen, Salih Özcan wird zur Befehlskette in der Zone vor der Abwehr.

Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Mit Can an Bord holte Dortmund in dieser Saison 2,1 Punkte pro Spiel, ohne ihn nur 1,4. Seine Zweikampfquote von 63 % ist Spitzenwert, seine 78 % erfolgreiche Pässe stabilisieren den Aufbau. „Er ist unser Klebeband“, sagte Kovac einmal – nun fehlt das Band.

Kehl zwischen image und risiko

Kehl zwischen image und risiko

Sebastian Kehl sitzt auf dem heißen Stuhl. Verlängert er, riskiert er Gehaltssumme und Medienshitstorm für einen Spieler, der vielleicht nie wieder zur alten Stärke findet. Verabschiedet er sich, droht der Vorwurf der Kaltschnäuzigkeit gegen einen Mann, der 2019 aus Turin kam, um den BVB wieder zur Spitze zu führen. Interne Gutachter sollen binnen zwei Wochen ein Gutachten liefern: wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Can nach neun Monaten wieder 90-Minuten-Level bringt?

Die Fans sind gespalten. Auf Twitter trendet #CanBleibt, doch auch Kommentare wie „Danke für alles, aber jetzt ist Schluss“ mehren sich. Can selbst liegt noch im Klinikum Hohenheim, liest jede Nachricht, sagt Freunden: „Ich komme zurück. Ob hier oder woanders – ich spiele wieder.“

Die Entscheidung fällt im Mai. Dann liegt der medizinische Befund vor, dann zeigt sich, wie sehr der BVB sportlich um die Champions-League-Plätze zittern muss. Ein Club, der sich selbst als Familie inszeniert, muss nun beweisen, wie warm diese Familie wirklich ist. Es wäre nicht das erste Mal, dass Dortmund einen langjährigen Kapitän ziehen lässt – 2014 verabschiedete man Sebastian Kehl selbst, nachdem er sich ein zweites Mal das Kreuzband riss.