Var-debatte entfacht: fühlt sich fußball durch technik verschlechtert an?
Die Einführung des Video-Assistenten (VAR) sollte den Fußball fairer machen. Doch eine neue Studie zeigt: Viele Fans sind alles andere als überzeugt. Die Kontroverse um die Technologie hält an und wirft die Frage auf, ob der VAR das Spiel tatsächlich verbessert oder eher ausbremst.
Internationale unzufriedenheit mit den video-checks
Eine repräsentative Umfrage, durchgeführt im Auftrag von Snickers (Sapio Research / Mars), befragte Fans in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Polen und den Niederlanden. Das Ergebnis ist alarmierend: 50 Prozent der Befragten empfinden die Videochecks als zu langwierig. Ein Viertel der Fans ist der Meinung, der VAR messe mit seinen Eingriffen die Rolle des Schiedsrichters auf dem Platz ab – ein klarer Vorwurf der Bevormundung. Die Zweifel schlagen sich auch in der Wahrnehmung der Entscheidungen nieder: 19 Prozent glauben, der VAR triffe häufig falsche Entscheidungen, und 34 Prozent bemängeln die Uneinheitlichkeit der Urteile.
Interessant ist auch, dass eine deutliche Mehrheit – 33 Prozent – lieber Fehlentscheidungen akzeptieren würde, als ewig auf die Entscheidung des VAR warten zu müssen. Nur 39 Prozent stehen dem gegenteiligen Standpunkt. Die Zahlen zeigen deutlich: Der VAR spaltet die Gemüter und löst mehr Fragen auf, als er beantwortet.

Bundesliga-statistiken: wer leidet am meisten unter var?
Die Daten der DFB Schiri GmbH, präsentiert von Opta Data, zeichnen ein detailliertes Bild der VAR-Einsätze in der abgelaufenen Bundesliga-Saison. Insgesamt griff der VAR in 306 Spielen 127-mal ein. Aber welche Teams wurden am häufigsten von den Video-Checks betroffen? Mönchengladbach führt die Liste mit 12 Eingriffen an, gefolgt von Stuttgart (10), Bayern München und Freiburg (je 9). Heidenheim und St. Pauli sowie Union Berlin, Dortmund und Augsburg kamen mit lediglich fünf Eingriffen vergleichsweise glimpflich davon.
Besonders bitter für die Fans von Stuttgart: Die Spieler mussten während der VAR-Checks durchschnittlich 8,2 Minuten auf dem Spielfeld herumstehen – die höchste Wartezeit der Liga. Auch beim Hamburger SV (6,5 Minuten) und Borussia Mönchengladbach (6,9 Minuten) gestalteten sich die Checks zäh. Insgesamt verursachten die VAR-Interventionen in der Saison eine Wartezeit von 78 Minuten.

Korrekte entscheidungen vs. realität: ein blick in die details
Die Zahlen der DFB Schiri GmbH sind erstaunlich: Von den 127 Interventionen waren 121 korrekt, sechs falsch. Neunmal blieb der VAR trotz einer fehlerhaften Entscheidung des Schiedsrichters auf dem Platz stumm. In 69 Fällen nutzte der Schiedsrichter die Möglichkeit, sich die strittige Szene am Spielfeldrand anzusehen. Häufig – 58-mal – handelte es sich dabei um die Feststellung einer Abseitsposition durch die halbautomatische Abseitstechnik. Insgesamt änderte der Schiedsrichter nach VAR-Meldung seine Entscheidung 118-mal, blieb in neun Fällen jedoch bei seiner ursprünglichen Bewertung. Die Verteilung der Eingriffe zeigt: 64-mal ging es um Tor/kein Tor, 53-mal um Strafstoß/kein Strafstoß und nur neunmal um eine Rote Karte/keine Rote Karte.
Die deutlich geringere Anzahl an VAR-Eingriffen in der 2. Bundesliga (101 insgesamt, davon vier falsch) lässt sich teilweise darauf zurückführen, dass bei vielen Spielen weniger TV-Kameras im Einsatz sind. Die durchschnittliche Dauer der Interventionen betrug dort 99,0 Sekunden – deutlich länger als in der Bundesliga (96,7 Sekunden laut DFB).
Die VAR-Debatte ist noch lange nicht abgewendet. Die neuen Zahlen belegen: Die Technologie ist umstritten, die Wartezeiten lang und die Entscheidungen oft uneinheitlich. Ob der VAR dem Fußball tatsächlich dienlich ist, bleibt abzuwarten. Fest steht: Der Kölner Keller sorgt weiterhin für Gesprächsstoff – und das nicht nur unter den Fans.
